Chevron hat gerade eines der stärksten Quartale seiner Geschichte vorgelegt – und trotzdem gibt die Aktie nach. Der Grund liegt nicht im Unternehmen, sondern am Rohölmarkt, der über das Wochenende kräftig Federn ließ.
Rekordzahlen im zweiten Quartal
Chevron verdiente im zweiten Quartal 2026 einen Rekordgewinn von 12,1 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie lag bei 6,06 Dollar – deutlich über den erwarteten 5,11 Dollar. Auch beim Umsatz übertraf der Konzern die Konsensschätzungen klar.
Getragen wurde das Ergebnis von Rekordproduktion in den USA und im Perm-Becken sowie einer Rekord-Raffineriekapazität in den Vereinigten Staaten. Der operative Cashflow lag bei 19,7 Milliarden Dollar, die Nettoverschuldung sank um rund 8 Milliarden Dollar.
An die Aktionäre flossen im Quartal rund 6,5 Milliarden Dollar zurück – bei einer Dividendenrendite von 3,62 Prozent und dem 38. Jahr in Folge steigender Ausschüttung. Auch operativ lief es rund: Chevron erreichte sein milliardenschweres Sparziel vorzeitig und zog die Synergien aus der Hess-Übernahme schneller als ursprünglich geplant.
Ölpreis dreht die Stimmung
Und trotzdem knickt die Aktie ein. Auslöser ist eine überraschende Entspannung im Nahen Osten: Die US-Regierung kündigte an, einen geplanten Militärschlag gegen Iran zugunsten neuer diplomatischer Gespräche abzusagen – Verhandlungen sollen sowohl die Straße von Hormus als auch das iranische Atomprogramm betreffen.
Fast zeitgleich beschloss die OPEC+ über das Wochenende, die Förderquoten für September zum sechsten Mal in Folge anzuheben. Beide Nachrichten zusammen ließen einen Großteil der geopolitischen Risikoprämie verpuffen, die den Ölpreis im zweiten Quartal nach oben getrieben und Chevrons Rekordergebnis mitgetragen hatte. Rohöl gab daraufhin deutlich nach, Chevron rutschte im vorbörslichen Handel zeitweise mehr als ein Prozent ab, während der breite US-Markt leicht zulegte – ein Hinweis darauf, dass der Druck auf die Aktie branchenspezifisch ist.
Mizuho bleibt zuversichtlich
Mizuho bestätigte nach den Zahlen die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 224 Dollar, basierend auf dem Nettoinventarwert. Die Analysten verweisen auf die klare Übererfüllung bei Gewinn, freiem Cashflow und Investitionen sowie auf das überdurchschnittliche Wachstum im Fördergeschäft.
Seit Jahresbeginn steht die Aktie rund 32 Prozent im Plus, bewegt sich aber weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 214,71 Dollar. Die anstehenden Gespräche zur Straße von Hormus und die zusätzlichen OPEC+-Barrel ab September dürften den Ölpreis – und damit den Kurs von Chevron – kurzfristig stärker prägen als die eigenen Quartalszahlen.
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