Liebe Traderinnen und Trader,
96,2 Milliarden Dollar Umsatz, 2,22 Dollar Gewinn je Aktie, ein Rechenzentrumsgeschäft, das um 117 Prozent wächst – Nvidia hat mit seinem Quartalsbericht die Erwartungen nicht nur übertroffen, sondern regelrecht überrannt. Die Aktie legt am Donnerstag rund acht Prozent zu und nähert sich damit ihrem 52-Wochen-Hoch. Die eigentlich interessante Frage stellt sich aber nicht in Santa Clara, sondern in Frankfurt: Warum notieren die deutschen Nutznießer dieser Rally – Infineon, Aixtron, Siemens Energy – trotz kräftiger Kursgewinne seit Jahresbeginn immer noch 30 bis 40 Prozent unter ihren eigenen Jahreshochs? Genau in dieser Lücke steckt heute die Handelsidee.
Nvidia liefert – aber zwei Fragezeichen bleiben. Für das laufende Quartal stellt Nvidia 108 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, gut vier Milliarden über der Analystenschätzung, und für das kommende Geschäftsjahr rechnet der Konzern mit rund 70 Prozent Wachstum – fast doppelt so viel wie der Marktkonsens. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: China trägt nur noch 8,2 Prozent zum Umsatz bei, im Rechenzentrumsgeschäft liegt der Anteil unter einem Prozent. Nvidia hat dafür sogar eine Sonderbelastung von 400 Millionen Dollar für H200-Lagerbestände außerhalb Chinas verbuchen müssen – ein stiller Hinweis darauf, wie teuer der Rückzug aus dem zweitgrößten Chipmarkt der Welt wird. Parallel kursieren unbestätigte Berichte über eine Übernahme von Hugging Face im Volumen von 11 bis 13 Milliarden (je nach Quelle Euro oder Dollar) – ein Bewertungssprung, der die KI-Plattform seit ihrer letzten Finanzierungsrunde 2023 fast verdreifachen würde. Läge der Kaufpreis über 400 Millionen Euro, müsste sich auch die deutsche Fusionskontrolle damit befassen.
Zahlen wie die von Nvidia zeigen, wie viel Wertschöpfung inzwischen an Big-Data-Infrastruktur hängt – und wie schnell sich daraus Kursbewegungen ergeben, die weit über einen einzelnen Chiphersteller hinausreichen. Ein aktueller Report bündelt zehn Big-Data-Aktien, die von diesem Megatrend profitieren könnten, verständlich aufbereitet für Privatanleger. Jetzt Report zu den Top-10-KI-Aktien sichern
Die eigentliche Chance liegt in der zweiten Reihe. Infineon und Aixtron ziehen am Donnerstag mit der Nvidia-Welle mit, notieren aber weiterhin etwa 36 beziehungsweise 41 Prozent unter ihren Jahreshochs vom Frühsommer – trotz eines Kursplus von 51 Prozent (Infineon) beziehungsweise 115 Prozent (Aixtron) seit Jahresbeginn. Wer an den strukturellen KI-Infrastruktur-Boom glaubt, findet hier charttechnisch noch Platz nach oben, auch wenn die Tagesbewegung selbst moderat bleibt. Dass die Rally längst auf den breiteren Tech-Sektor übergreift, zeigt GFT Technologies mit einem Tagesgewinn von 10,6 Prozent – befeuert zusätzlich von starken Zahlen bei Salesforce und CrowdStrike.
Der Strombedarf der KI wird zum eigenen Trade. Eine Analyse zu den Kapitalkosten von Hyperscalern liefert die Erklärung, warum Energie-Infrastruktur gerade zur zweiten Reihe des KI-Trades wird: Ein 100-Megawatt-Rechenzentrum mit GB200-NVL72-Bestückung verschlingt rund 4 Milliarden Dollar Capex und muss 2,91 Dollar pro GPU-Stunde erwirtschaften, um überhaupt auf 15 Prozent Rendite zu kommen. Das ist der Grund, warum Ausrüster wie Siemens Energy strukturell profitieren – die Aktie gibt zwar leicht nach, steht aber weiterhin 25 Prozent im Plus seit Jahresbeginn und rund 23 Prozent unter ihrem Aprilhoch. Ein Pullback, der angesichts der Nachfragestory mehr Kaufgelegenheit als Warnsignal ist. Dass auch kleinere Erneuerbaren-Werte von soliden Zahlen profitieren, zeigt der Halbjahresbericht von Asta Energy mit einem Tagesplus von 8,8 Prozent.
Rheinmetall baut aus, der Markt bleibt skeptisch. Der Rüstungskonzern investiert einen dreistelligen Millionenbetrag in ein neues Logistik- und Technologiezentrum am Flughafen Kassel – über 30.000 Quadratmeter, Inbetriebnahme Ende 2027, konzipiert als „Defence-Hub“ mit eigenem Drohnentestzentrum. Die Botschaft ist klar: Drohnentechnologie wird zum zentralen Wachstumsfeld. Der Markt honoriert das bislang nur zögerlich – die Aktie legt am Donnerstag zwar zu, notiert aber weiterhin gut 41 Prozent unter ihrem Hoch vom Oktober 2025 und liegt auf Jahressicht rund 24 Prozent im Minus. Für Trader, die an den Rüstungstrend glauben, bleibt die Frage, ob der Rebound seit dem Junitief bei rund 900 Euro tragfähig ist – der Kasseler Ausbau ist dabei ein strategisches Argument für die nächsten Jahre, kein Signal für den kurzfristigen Chart.
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Krypto: XRP-Wale kaufen, Ethereum-Bullen zielen höher. Bei XRP haben Großinvestoren binnen kurzer Zeit 460 Millionen Token gekauft – der höchste Stand seit Februar. Die US-Spot-ETFs auf XRP verzeichneten allein am Mittwoch 28 Millionen Dollar Zuflüsse, kumuliert bereits 1,62 Milliarden Dollar, während der nächste Widerstand bei 1,50 Dollar wartet. Bei Ethereum sorgten wöchentliche ETF-Zuflüsse von 697 Millionen Dollar für Rückenwind; die Bullen zielen als nächstes auf 2.656 Dollar, während bei 2.550 Dollar eine Liquiditätswand als Widerstand gilt.
Moderna erinnert daran, wie schnell Rallys kippen. Erst am 19. August markierte die Aktie ein neues Jahreshoch, nun rutscht sie im Tagesverlauf um gut sieben Prozent ab, nachdem der Konzern eine Wandelanleihe über 2 Milliarden Dollar zur Finanzierung des Onkologiegeschäfts und zum Schuldenabbau angekündigt hat. Trotz des Rücksetzers steht für 2026 noch immer ein Kursplus von rund 350 Prozent zu Buche. Die Lektion: Selbst bei den stärksten Jahresperformern reicht eine Kapitalmaßnahme, um für spürbare Verdauungsprobleme zu sorgen.
Marschroute
Die Chip- und Energie-Rally hat einen Motor – Nvidia – aber die eigentliche Frage für die kommenden Handelstage ist, ob Infineon, Aixtron und Siemens Energy die Lücke zu ihren Jahreshochs schließen oder ob Gewinnmitnahmen wie bei Moderna dazwischenfunken. Bei Infineon (-36 % vom Hoch) und Aixtron (-41 % vom Hoch) bleibt die Distanz das Argument für Einstiege entlang der KI-Infrastruktur-These. Siemens Energy verdient nach dem Pullback (-23 % vom Aprilhoch) einen zweiten Blick. Bei Rheinmetall gilt: Kassel ist ein Langfrist-Fundament, kein Kurztrade-Trigger – wer einsteigt, beobachtet die 900-Euro-Marke als Basis des laufenden Rebounds. In Krypto bleibt 1,50 Dollar die Schlüsselmarke für XRP, 2.656 Dollar das nächste Ziel für Ethereum-Bullen, mit einer Liquiditätswand bei 2.550 Dollar als Hürde davor.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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