Liebe Traderinnen und Trader,

der Halbleiter-Index beendet an diesem Montag die längste Verlustserie seit Oktober 2008. Acht Handelstage in Folge hatte der Philadelphia Semiconductor Index bis Freitag verloren, in Summe 15,7 Prozent.

Jetzt greifen die Käufer wieder zu, und zwar genau vor der Woche, in der Netflix, SpaceX, SAP, Tesla und Meta ihre Quartalszahlen vorlegen. Für Trader zählt deshalb weniger das Tagesplus als die Frage, an welchen Marken die Erholung bestätigt oder abgewürgt wird.

Halbleiter: Upgrades zünden, doch die Kursziele hinken hinterher

Der Rebound hat Namen. Intel liegt im Verlauf 5,7 Prozent vorn, nachdem JPMorgan die Aktie von „Underweight“ auf „Neutral“ angehoben hat. Pikant: Das neue Kursziel lautet 85 Dollar, die Intel-Aktie notiert aber bereits bei rund 95 Dollar. Das Upgrade ist also ein Signal zur Entwarnung, kein Kaufargument mit Luft nach oben.

Bei Micron ist die Geschichte substanzieller: Die Kapazität im Werk Taichung ist für 2027 laut Betriebschef Bhatia komplett ausverkauft, Nvidia fragt bei TSMC bereits die nächste Speichergeneration an.

Micron steigt im Verlauf 5,3 Prozent auf rund 923 Dollar, bleibt aber deutlich unter dem Junihoch von umgerechnet 1.238 Dollar. AMD zieht 4,4 Prozent auf gut 550 Dollar an, TD Cowen bestätigt „Buy“ mit Kursziel 675 Dollar.

CoreWeave erholt sich um 3,4 Prozent nach dem Goldman-Upgrade auf „Buy“, die Aktie liegt aber weiterhin nur knapp über ihrem Jahrestief vom Juli. Ein Nebenschauplatz zeigt, wie weit die Zweifel reichen: Galaxy Digital, einziger Mieter CoreWeaves am Helios-Rechenzentrum in Texas, hat in zwei Wochen rund 30 Prozent verloren. StoneX hält bei Galaxy Digital mit „Buy“ und Kursziel 57 Dollar dagegen.

Die Lesart für Ihr Depot: Der Markt kauft den Rücksetzer an diesem Montag selektiv dort, wo Nachfrage belegt ist (Speicher, Inferenz-CPUs), und nicht dort, wo die Finanzierung die Frage ist. Chart-Marke für den Sektor: Der SOX hat bei 11.000 bis 11.100 Punkten seine Unterstützungszone, ein Schlusskurs über 11.500 wäre die erste echte Bestätigung.

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Nasdaq 100 und S&P 500: Die 50-Tage-Linie ist der Lackmustest

Die großen US-Indizes stehen exakt dort, wo sich der Rebound beweisen muss. Der Nasdaq 100 notiert bei rund 29.800 Punkten und steht damit direkt unter der entscheidenden Zone.

Die 50-Tage-Linie verläuft bei 30.175 Punkten, der Widerstandsbereich im Terminkontrakt reicht von 30.032 bis 30.335. Das Rekordhoch vom 6. Oktober liegt bei 31.361 Punkten.

Beim S&P 500 ist das Bild identisch: Der Index steht bei rund 7.730 Punkten, die Widerstandszone beginnt bei 7.758 und endet bei 7.785, wo auch die 50-Tage-Linie liegt.

Das Tagestief am Montag bei knapp 7.685 hielt oberhalb der Unterstützung von 7.677. Solange diese Marke hält und die 50-Tage-Linie nicht zurückerobert wird, ist der Rebound eine Gegenbewegung in einer Korrektur, kein neuer Aufwärtstrend.

Rückenwind kommt von der Gewinnseite: Für den S&P 500 erwartet FactSet im dritten Quartal ein Gewinnwachstum von rund 29 Prozent. Gegenwind kommt von der Fed, die kommende Woche am 28. Oktober entscheidet; die Märkte sehen mit 85 Prozent einen unveränderten Leitzins von 3,75 bis 4,00 Prozent.

Meta, SpaceX, Tesla: Drei Zahlenwetten an klaren Chartmarken

Bei Meta entscheidet nicht der Umsatz, sondern die Investitionsplanung. Meta legt in der Nacht zum Donnerstag vor. Der Konsens erwartet einen Umsatz von 63,34 Milliarden Dollar, ein Plus von 23,6 Prozent. Die eigentliche Nachricht wird der Capex sein, also die Investitionsausgaben: 130 bis 145 Milliarden Dollar sind für 2026 vorgesehen, nach 72,2 Milliarden im Vorjahr.

Goldman Sachs rechnet für die fünf großen KI-Hyperscaler 2027 mit Ausgaben von zusammen 1,2 Billionen Dollar. Wedbush-Analyst Dan Ives nennt als Schwerpunkt die Monetarisierung des KI-Assistenten Muse über Abo-Modelle.

Die Meta-Aktie notiert bei rund 704 Dollar, das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 831,45 Dollar. Das Hoch von umgerechnet 773 Dollar stammt erst vom 13. Oktober. Der Abstand misst den Vertrauensvorschuss: Erhöht Meta die Capex-Prognose nur moderat, dürfte der Markt das durchwinken, eine extreme Anhebung in dieser Stimmungslage nicht.

SpaceX berichtet in der Nacht zum Mittwoch, Tesla in der Nacht zum Donnerstag. Bei SpaceX erwartet der LSEG-Konsens 12,74 Milliarden Dollar Umsatz nach 7,8 Milliarden im Vorquartal und erstmals seit dem Börsengang einen Quartalsgewinn.

Der Treiber ist Starlink, dessen Umsatz im zweiten Quartal um 66 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar wuchs. Die SpaceX-Aktie steht im Verlauf 2,8 Prozent höher bei rund 150 Dollar und hat damit die 50-Tage-Linie bei 148,43 Dollar zurückerobert. Der IPO-Preis von 135 Dollar ist die Unterstützung, rund 170 Dollar der nächste Widerstand.

Bei Tesla liegt der Konsens beim bereinigten Gewinn je Aktie bei 43 Cent nach 50 Cent im Vorjahr, der Umsatz soll bei rund 27,88 Milliarden Dollar landen. Der kritische Punkt ist der freie Cashflow, für den Analysten minus 4,92 Milliarden Dollar erwarten.

Tesla notiert im Verlauf 4,1 Prozent fester bei rund 368 Dollar und damit über der 50-Tage-Linie von 359,98 Dollar, aber unter der 200-Tage-Linie bei 387,52 Dollar. Die Fusionsspekulation von Barclays vor der Hauptversammlung am 3. Dezember hält den Tesla-Kurs zusätzlich in Bewegung.

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DAX: Die relative Stärke ist weg, die Marken halten noch

Frankfurt verliert seinen Vorsprung, ohne charttechnisch Schaden zu nehmen. Der DAX gab spürbar nach, das Tagestief lag knapp über 25.200 Punkten. Die relative Stärke gegenüber dem US-Tech-Ausverkauf, so CMC-Markets-Analyst Andreas Lipkow, bröckelt unter Unruhen in Frankreich und Indonesien, hohen Energiepreisen und Iran-Spekulationen.

Der Gaspreis in Amsterdam erreichte mit 89,57 Euro je Megawattstunde den höchsten Stand seit Ende 2022, die Bundesbank sieht die Inflation bis weit ins Jahr 2027 erhöht.

Die Stimmung der Privatanleger hat sich laut Handelsblatt-Umfrage dennoch von minus 36,6 auf minus 15 Punkte erholt, der Extrembereich beginnt erst bei minus 46. Der Sentiment-Rückenwind der Vorwoche ist also verbraucht.

In der zweiten Reihe springt Steyr Motors um 20 Prozent, weil Red Cat den Motorenbauer für rund 205 Millionen Euro übernehmen will. Vonovia hält sich bei 16,59 Euro nur knapp über dem Jahrestief, die Berliner Enteignungspläne ab 10.000 Wohnungen lasten weiter.

Bitcoin: Die Liquidationskarte setzt die Trigger

Beim Bitcoin bestimmt der Hebel, wie heftig die nächste Bewegung ausfällt. Bitcoin notiert bei rund 81.900 Dollar und hat die Zone um 82.300 bis 82.500 Dollar nicht halten können. Nach oben liegen die Widerstände bei 84.199 Dollar und dem Septemberhoch von 87.395 Dollar, nach unten die Unterstützung bei 80.126 Dollar.

Die Terminmärkte liefern die Trigger: Unter 77.999 Dollar würden laut Coinglass Long-Positionen über 1,95 Milliarden Dollar zwangsliquidiert, über 86.090 Dollar trifft es Short-Positionen im Volumen von 1,34 Milliarden Dollar. Die Abflüsse aus US-Spot-ETFs haben sich auf 228,6 Millionen Dollar in der Vorwoche beruhigt, nach 681 Millionen davor.

Wie dünn das Eis ist, zeigt ein Wal auf Hyperliquid: Eine Long-Position über 1.205 Bitcoin mit 40-fachem Hebel, Einstieg bei 81.913,80 Dollar, Liquidation bei 79.828 Dollar. Der Hebel am Markt ist hoch, das Open Interest mit 52,27 Milliarden Dollar stabil. Ein Bruch der 80.000 wäre deshalb kein ruhiger Rückgang, sondern eine Kaskade.

Marschroute

Nasdaq 100: Schluss über 30.175 bestätigt den Rebound, unter 29.460 ist er gescheitert. S&P 500: 7.677 halten, 7.774 knacken. SOX: 11.000 bis 11.100 ist die Linie im Sand.

Die Termine: SpaceX in der Nacht zum Mittwoch, SAP am Mittwoch um 22:05 Uhr, Tesla und Meta in der Nacht zum Donnerstag. Tesla über 360 Dollar und SpaceX über 148,43 Dollar sind die Vorbedingungen für einen positiven Zahlenreflex.

Bitcoin: 80.126 Dollar als Alarmmarke, 84.199 als Entlastung. Am Dienstag kommt zudem der ZEW-Index, die DekaBank erwartet einen Rückgang.

Gute Trades,

Ihr Andreas Sommer