Ein Kurs von 6,53 Euro — das sind 72 Prozent weniger als das November-Hoch. Circus SE muss 2026 liefern. Ob das gelingt, zeigen die nächsten Monate.

Zahlen mit Lücken

Die testierten Jahreszahlen folgen bis 30. Juni 2026. Bislang existieren nur Vorläufigkennzahlen. Der Umsatz stieg auf rund 1,5 Millionen Euro — sechsmal mehr als im Vorjahr. Der EBITDA-Verlust fiel mit 18,5 Millionen Euro besser aus als die eigene Schätzung von 21 Millionen Euro.

Das bereinigte EBITDA lag bei minus 15,3 Millionen Euro, nach minus 11,9 Millionen Euro im Vorjahr. Ein Einmaleffekt von 3,2 Millionen Euro aus Akquisitionen und Kapitalerhöhungen hat das Ergebnis belastet. Belastbare Angaben zur Liquidität kommen erst mit dem vollständigen Geschäftsbericht.

Produktionshochlauf: Ambitionierter Fahrplan

Das operative Kernstück ist der Hochlauf der CA-1-Serienproduktion. Nach 16 Einheiten in Q1 soll die Kapazität quartalsweise verdoppelt werden. Im vierten Quartal peilt Circus 64 Einheiten pro Monat an. Für 2026 ergibt das eine Gesamtkapazität von 304 Einheiten — mehr als genug für den modellierten Bedarf von 205 Einheiten.

Mit Produktionspartner Celestica hat Circus die Fertigungszeit des CA-1 von acht auf vier Wochen halbiert. Leasingmodelle sollen die Einstiegshürde für Kunden senken und die Verkaufszyklen um bis zu 70 Prozent verkürzen.

Der Auftragsbestand umfasst rund 550 Systeme. Das Management verweist auf über 8.000 Vorbestellungen mit einem theoretischen Potenzial von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Der Haken: Die Umwandlung in zahlungswirksame Aufträge steht noch aus.

US-Eintritt und Verteidigung als neue Säulen

Im April schloss Circus die Übernahme von Kitchen Robotics ab. Ursprünglich als reine IP-Transaktion über 30 internationale Patente geplant, übernahm Circus das gesamte Unternehmen. Damit sichert sich das Unternehmen alle Patente, Software-IP und Robotik-Assets.

Der strategische Kern: K-Robotics besitzt NSF-zertifizierte Komponenten für den US-Markt. Circus zieht den US-Markteintritt von 2027 auf die zweite Jahreshälfte 2026 vor. Der Kaufpreis liegt im niedrigen sechsstelligen Bereich.

Parallel dazu entwickelt sich das Verteidigungsgeschäft schneller als geplant. Bundeswehr, Litauen und Ukraine sind bereits Kunden. Der militärische Outdoor-Roboter CAM generiert 2026 erste Umsätze — zwei Jahre früher als ursprünglich geplant. Circus Defence erwartet einen größeren Militärauftrag im zweiten Halbjahr. Über zehn NATO-Staaten befinden sich in aktiven Gesprächen.

Finanzierung und nächste Termine

Ein Rahmenvertrag mit Finexity AG sieht bis zu 50 Millionen Euro vor. Damit will Circus den Produktionshochlauf finanzieren. Die Aktie notiert 45,8 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau und rund 41 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.

Am 16. Juli gibt das Management ein Quartals-Update. Am 20. August folgt die Hauptversammlung in München. Bis dahin entscheidet sich, ob der Produktionshochlauf den Papieren auf dem Boden nachweislich Substanz verleiht.