Juli 2026 ihre Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr drastisch zusammengestrichen. Statt der ursprünglich in Aussicht gestellten 44 bis 55 Millionen Euro rechnet der Robotik-Spezialist nun nur noch mit 5,2 Millionen Euro Umsatz. Auch beim bereinigten EBITDA fällt die Korrektur heftig aus: Statt eines Fehlbetrags von 6 bis 8 Millionen Euro erwartet das Unternehmen jetzt ein Minus von rund 17 Millionen Euro.

Verschobene Auslieferungen als Kernproblem

Hintergrund der Kürzung ist eine strategische Entscheidung des Managements. Geplante Systemauslieferungen, die ursprünglich für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen waren, verschiebt Circus ins Geschäftsjahr 2027. Damit will das Unternehmen zunächst die Wirtschaftlichkeit einzelner Kundenprojekte sicherstellen, bevor eine weitere Skalierung erfolgt. Die sogenannten Unit Economics sollen also erst belastbar funktionieren, ehe Circus in größerem Stil ausliefert – ein Schritt, der kurzfristig schwer auf die Erlöse drückt, langfristig aber Fehlinvestitionen vermeiden soll.

Operative Meilensteine trotz Krise

Parallel zur Prognosekürzung meldete Circus zeitgleich mehrere operative Fortschritte. So ist der Live-Betrieb autonomer Verpflegungssysteme zur Versorgung der 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Streitkräfte im Raum Kiew nach erfolgter behördlicher Zertifizierung angelaufen. Bereits Anfang Juli hatte Circus die regulatorische Zulassung für die Vereinigten Arabischen Emirate erhalten und den kommerziellen Rollout der Robotik-Systeme in Abu Dhabi gestartet. Ebenfalls Anfang Juli schloss das Unternehmen die Übernahme des belgischen Food-Robotik-Unternehmens Alberts vollständig ab.

Auf der Führungsebene reagierte Circus bereits am 6. Juli mit personellen Konsequenzen: Ein ehemaliger Top-Manager aus der Luftfahrt- und Automobilbranche wurde zum neuen Co-CEO und CFO ernannt. Er soll die operative Skalierung des Unternehmens unterstützen. Zudem hatte Circus im ersten Quartal 2026 für seine CA-1-Plattform eine Systemverfügbarkeit von 92 Prozent gemeldet – ein technischer Erfolg, der angesichts der nun eingetrübten Umsatzaussichten jedoch in den Hintergrund tritt.

Analysten reagieren mit deutlicher Zielkorrektur

Das Analysehaus mwb research zog nach der Prognosekürzung umgehend Konsequenzen und senkte am 16. Juli sein Kursziel für die Circus-Aktie drastisch von 46,00 Euro auf 8,40 Euro. Die Einstufung stuften die Analysten gleichzeitig auf „spekulativ kaufen“ zurück – ein Signal dafür, dass sie trotz der massiven Abwärtsrevision noch Aufwärtspotenzial sehen, dieses aber mit erheblichen Risiken verknüpfen.

Kurs bricht massiv ein

Der Markt quittierte die Nachrichtenlage mit einem Ausverkauf. Die Aktie schloss am Freitag bei 2,15 Euro, nach einem Tagesverlust von 13,63 Prozent. Die Marktkapitalisierung von Circus liegt damit nur noch bei 57,21 Millionen Euro. Der 14-Tage-RSI von 14,0 signalisiert eine stark überverkaufte Situation, was angesichts der Wucht der Kursverluste der vergangenen Wochen wenig überraschend erscheint.

Die Diskrepanz zwischen den operativen Fortschritten – Ukraine-Einsatz, UAE-Zulassung, Alberts-Übernahme und neuer Führungskraft – und der massiven Prognosekürzung dürfte Anleger in den kommenden Wochen weiter beschäftigen. Während das Management die verschobenen Auslieferungen als notwendigen Schritt zur Absicherung der Wirtschaftlichkeit darstellt, bleibt die kurzfristige Erlösbasis des Unternehmens auf ein Bruchteil der ursprünglichen Erwartungen geschrumpft.