Die Aktie der Circus SE zeigt am Mittwoch erste Lebenszeichen. Nach einem Schlusskurs von 1,73 Euro am Vortag notiert das Papier aktuell bei 1,77 Euro und legt damit um 2,55 Prozent zu. Der Ausschlag fällt in eine Phase extremer Übertreibung: Binnen 30 Tagen ist der Kurs um 65,92 Prozent eingebrochen, ein automatisiertes Stimmungsbarometer wie der 14-Tage-RSI von 18,4 signalisiert inzwischen eine deutlich überverkaufte Situation. Ob daraus mehr wird als eine technische Gegenbewegung, hängt von der operativen Entwicklung des Foodtech-Unternehmens ab.

Prognosekürzung und Herabstufung als Belastung

Ausgangspunkt des Kursverfalls war die Mitteilung des Vorstands vom 16. Juli. Circus kündigte an, das Tempo der Systemeinführungen im laufenden Jahr bewusst zu drosseln, um die Wirtschaftlichkeit einzelner Einsätze und die Autonomie des operativen Ökosystems in den Vordergrund zu stellen. Die Konsequenz für die Anleger war schmerzhaft: Die EBITDA-Prognose für 2026 verschlechterte sich von zuvor minus 6 bis minus 8 Millionen Euro auf rund minus 17 Millionen Euro.

Wenige Tage später, am 20. Juli, reagierte die Montega AG auf die Prognosekürzung und stufte die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ zurück. Am selben Tag setzte Verwaltungsratsmitglied Dr. Jan-Christian Heins ein Gegensignal: Er erwarb im Rahmen einer meldepflichtigen Eigengeschäftstransaktion Aktien des Unternehmens über die Börse. Insiderkäufe dieser Art gelten häufig als Versuch des Managements, dem Vertrauensverlust im Markt entgegenzuwirken – ein Beleg für den fundamentalen Zustand des Geschäfts sind sie für sich genommen nicht.

Operative Fortschritte trotz roter Zahlen

Abseits der Prognosekorrektur zeigt der operative Kalender von Circus durchaus Bewegung. Der geprüfte Geschäftsbericht für 2025, veröffentlicht Ende Juni, weist einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro aus – nach 0,25 Millionen Euro im Vorjahr. Dem stand ein operativer Verlust von 15,3 Millionen Euro gegenüber, ein Betrag, der die Kostenintensität der Skalierungsphase unterstreicht.

Auf der Personalseite bestellte das Unternehmen am 6. Juli einen ehemaligen Manager aus der Luftfahrt- und Automobilindustrie zum neuen Co-CEO und CFO – ein Schritt, der die industrielle Skalierung vorantreiben soll. Kurz darauf, am 2. Juli, vollzog Circus die vollständige Übernahme des belgischen Food-Robotik-Unternehmens Alberts. Ziel der Integration ist der Zugang zu Großkunden wie Danone und Sodexo.

Parallel dazu meldete Circus mehrere konkrete Einsatzfälle seiner Technik. Die Mercedes-Benz Gastronomie GmbH vereinbarte den Einsatz des autonomen CA-1-Roboters zur Mahlzeitenproduktion am Standort Sindelfingen, der Start ist für den Sommer 2026 vorgesehen. Im Raum Kiew nahm Circus den Live-Betrieb von Verpflegungsrobotern für die 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Bodentruppen auf, nachdem die ukrainische Lebensmittelbehörde die entsprechende Zertifizierung erteilt hatte. Und in den Vereinigten Arabischen Emiraten erhielt das Küchensystem „CA-1 Series 4“ die ECAS-Zertifizierung; der kommerzielle Start in Abu Dhabi ist für September 2026 geplant.

Hauptversammlung als nächster Termin

Für Anleger rückt nun der 20. August in den Fokus: An diesem Tag findet die ordentliche Hauptversammlung 2026 von Circus virtuell statt. Dort dürfte der Vorstand Rede und Antwort stehen zu der Frage, wie sich die gedrosselte Rollout-Geschwindigkeit mit den zahlreichen neuen Kundenverträgen und Zertifizierungen vereinbaren lässt – und ob die verschärfte Verlustprognose für 2026 der letzte negative Kurstreiber war oder ob weitere Anpassungen folgen. Die extreme Volatilität der vergangenen Wochen zeigt jedenfalls, wie sensibel der Markt auf jede neue Nachricht aus dem Unternehmen reagiert.