Per Ad-hoc-Mitteilung senkte das Unternehmen am 16. Juli 2026 seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 von ursprünglich 44 bis 55 Millionen Euro auf nur noch 5,2 Millionen Euro. Auch beim operativen Ergebnis muss der Anbieter autonomer Verpflegungstechnologie deutlich zurückrudern: Statt eines EBITDA zwischen minus 6 und minus 8 Millionen Euro erwartet Circus nun ein Minus von rund 17 Millionen Euro.
Verzögerter Rollout als Ursache
Als Grund für die massive Kürzung nennt Circus Verzögerungen beim Rollout neuer Systeme, die nun erst 2027 greifen sollen. Die Onboarding- und Integrationskosten je System seien bislang nicht wie geplant mitgewachsen – ein Skalierungsproblem, das die ursprüngliche Wachstumsstory des Unternehmens infrage stellt. Der geprüfte Geschäftsbericht für 2025, den Circus Ende Juni veröffentlicht hatte, zeigte noch ein anderes Bild: Der Umsatz war auf rund 1,5 Millionen Euro gestiegen, nach 0,25 Millionen Euro im Vorjahr, bei einem unbereinigten EBITDA von minus 18,5 Millionen Euro. Die neue Prognose macht deutlich, wie fragil dieser Wachstumspfad tatsächlich ist.
Operative Fortschritte im Schatten der Warnung
Parallel zur Prognosekürzung meldete Circus in den vergangenen Wochen mehrere operative Meilensteine. Anfang Juli erhielt das Unternehmen die regulatorische Zulassung für die Vereinigten Arabischen Emirate und kündigte den Start des kommerziellen Rollouts seiner CA-1-Systeme in Abu Dhabi an. Kurz darauf vollzog Circus die Übernahme des belgischen Food-Robotik-Unternehmens Alberts und gliederte dessen Robotiklösungen vollständig in das eigene Technologieportfolio ein. Am 6. Juli ernannte das Unternehmen zudem einen bislang namentlich nicht genannten ehemaligen Führungsmanager aus der Luftfahrt- und Automobilbranche zum neuen Co-CEO und CFO.
Am 18. Juli, dem Tag nach der Gewinnwarnung, folgte ein weiterer Fortschritt: Die autonome Verpflegungstechnologie von Circus geht bei der 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Bodentruppen im Raum Kiew in den Live-Betrieb. Der Einsatz erfolgt nach offizieller Zertifizierung durch den ukrainischen Staatlichen Dienst für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz. Operativ liefert Circus damit Belege dafür, dass die Technologie in unterschiedlichen Einsatzfeldern funktioniert – von Militärlogistik bis Gastronomie im Golf-Raum. Der Kapitalmarkt reagiert darauf bislang jedoch kaum, die Finanzkennziffern dominieren die Wahrnehmung.
Aktie im freien Fall
Die Kursreaktion auf die Prognosekürzung fiel entsprechend heftig aus. Am Freitag schloss die Aktie bei 2,15 Euro, ein Tagesverlust von 13,63 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 54,96 Prozent – ein Ausmaß, das die tiefe Verunsicherung der Anleger nach der Ad-hoc-Mitteilung widerspiegelt. Die Marktbewertung des Unternehmens ist damit binnen kurzer Zeit massiv zusammengeschmolzen.
Noch am 6. Juli, also vor der Prognosekürzung, hatte der Analyst Dr. Oliver Wojahn von mwb research seine Kaufempfehlung für Circus mit einem unveränderten Kursziel von 46,00 Euro bestätigt. Diese Einschätzung stammt jedoch aus der Zeit vor der Ad-hoc-Mitteilung vom 16. Juli und bildet die drastisch gesenkte Guidance nicht ab. Ob und wie das Analystenhaus seine Bewertung nach der neuen Prognoselage anpasst, ist offen. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Fall mit zwei Gesichtern: operative Fortschritte in Ukraine und den Emiraten auf der einen Seite, ein massiv eingetrübtes Zahlenwerk für 2026 auf der anderen.
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