Am 20. August steht für die Aktionäre der Circus SE die ordentliche Hauptversammlung an – virtuell und nur wenige Wochen nach einer der drastischsten Prognosekorrekturen, die das Unternehmen bislang veröffentlicht hat. Der Termin fällt in eine Phase, in der der Kurs bereits einen Großteil seines Wertes verloren hat und Anleger auf Antworten zur weiteren Strategie warten.

Prognosekorrektur als Auslöser des Kurssturzes

Am 16. Juli hatte Circus SE per Ad-hoc-Mitteilung eine massive Reduktion der Umsatzerwartung für das laufende Geschäftsjahr bekanntgegeben. Statt der ursprünglich veranschlagten 44 bis 55 Millionen Euro rechnet das Unternehmen nun nur noch mit 5,2 Millionen Euro Umsatz. Gleichzeitig weitete Circus die Prognose für den EBITDA-Verlust von zuvor 6 bis 8 Millionen Euro auf rund 17 Millionen Euro aus. Als Begründung nannte das Unternehmen die Verschiebung geplanter System-Rollouts in das Jahr 2027 – eine Maßnahme, die laut der Mitteilung der Optimierung der Unit Economics dienen soll.

Der Markt reagierte entsprechend heftig: Binnen eines Monats verlor die Aktie 64,09 Prozent an Wert. Am Mittwoch schloss das Papier bei 1,81 Euro, nachdem es am selben Tag um 4,75 Prozent zugelegt hatte – eine kurze Erholung, die den langfristigen Abwärtstrend bislang nicht durchbricht. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 48,74 Millionen Euro, ein Bruchteil dessen, was noch vor der Prognosekorrektur an der Börse abgebildet wurde.

Managementwechsel und Zukäufe parallel zur Krise

Noch vor der Ad-hoc-Meldung hatte Circus SE Anfang Juli die Berufung eines erfahrenen Managers aus der Luftfahrt- und Automobilbranche zum neuen Co-CEO und CFO bekanntgegeben. Das Unternehmen begründete den Schritt mit dem Ziel, die operative Umsetzung zu schärfen und die Finanztransparenz zu erhöhen – ein Vorhaben, das angesichts der massiven Prognoserevision nur wenige Tage später an Brisanz gewonnen hat.

Parallel zu den finanziellen Turbulenzen trieb Circus seine Expansionsstrategie voran. Anfang Juli schloss das Unternehmen die Übernahme des belgischen Food-Robotik-Unternehmens Alberts final ab und erweiterte damit sein technologisches Ökosystem. Bereits Ende April hatte Circus das US-israelische Unternehmen K-Robotics vollständig übernommen, inklusive eines Portfolios von mehr als 30 Patenten, um den Markteintritt in den USA zu beschleunigen. Zudem meldete das Unternehmen im Juli den operativen Einsatzbeginn autonomer Versorgungssysteme bei ukrainischen Bodentruppen im Verteidigungssektor – ein Diversifikationsschritt jenseits des ursprünglichen Kerngeschäfts.

Belastete Bilanz trifft auf ungewisse Anlegerreaktion

Die Vorgeschichte der aktuellen Krise reicht bis in den Mai zurück: Bereits Ende Mai hatte Circus vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 veröffentlicht, die einen Jahresfehlbetrag von rund 22 Millionen Euro auswiesen. Die nun folgende drastische Kürzung der Umsatzprognose für 2026 verschärft die finanzielle Lage zusätzlich.

Für Anleger wird die Hauptversammlung am 20. August zur ersten Gelegenheit, dem Management direkt Fragen zur strategischen Neuausrichtung zu stellen. Kurz danach, am 2. September, folgt mit dem Halbjahresfinanzbericht der nächste konkrete Termin, an dem sich zeigen dürfte, wie tief die operativen Einschnitte tatsächlich reichen und ob die Verschiebung der System-Rollouts ins Jahr 2027 die versprochene Stabilisierung bringt.