Ein Verwaltungsrat kauft Aktien für 2,15 Euro. Wenige Tage später notiert das Papier 15 Prozent tiefer. Bei Circus SE zeigt sich gerade, wie wenig ein Insider-Kauf gegen eine harte Prognosekürzung ausrichten kann.

Am Donnerstag verliert die Aktie erneut 5,85 Prozent und fällt auf 1,83 Euro. Der Kurs hat inzwischen 67 Prozent seines Werts binnen 30 Tagen verloren. Auslöser war eine radikale Korrektur der Umsatzprognose für 2026.

Prognose bricht um 90 Prozent ein

Das Management hatte zunächst bis zu 55 Millionen Euro Umsatz für 2026 in Aussicht gestellt. Nun rechnet Circus nur noch mit 5,2 Millionen Euro. Diese Kürzung um mehr als 90 Prozent zog sofort Reaktionen der Analysten nach sich.

Das Analysehaus Montega senkte sein Kursziel von 10,00 Euro auf 2,20 Euro. Zusätzlich stufte Montega die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ zurück. Die Analysten begründen den Schritt mit einer strategischen Kehrtwende: Circus verschiebt den Fokus von schneller Skalierung der Küchenroboter-Systeme hin zur Wirtschaftlichkeit pro Einheit. Der Markteintritt im Verteidigungssektor rückt stattdessen in den Vordergrund.

Rein rechnerisch liegt das neue Kursziel noch über dem aktuellen Kurs. Die drastische Kürzung selbst zeigt aber vor allem eines: Der Vertrauensverlust am Markt ist massiv.

Insider-Kauf verpufft

Vor wenigen Tagen kaufte Verwaltungsratsmitglied Dr. Jan-Christian Heins ein Aktienpaket zu einem Durchschnittspreis von 2,15 Euro. Solche Insider-Käufe gelten normalerweise als Signal für eine Unterbewertung. Bei Circus zieht dieses Signal aktuell nicht.

Der Kurs notiert mittlerweile rund 15 Prozent unter Heins‘ Einstiegsniveau. Der Markt gewichtet die operativen Risiken und die gekürzten Umsatzerwartungen offenbar schwerer als das Vertrauensvotum aus der Führungsebene.

Verteidigungssparte als neue Hoffnung

Während das zivile Geschäft mit autonomen Gastronomiesystemen langsamer wächst als geplant, rückt die Sparte „Circus Defence“ in den Fokus. Das Unternehmen hat den Live-Betrieb seiner robotergestützten Verpflegungssysteme im Raum Kiew gestartet. Der Einsatz für ukrainische Bodentruppen ist die erste operative Nutzung der Technologie in einem aktiven Konfliktgebiet.

Anleger bewerten diesen Schritt zwiespältig. Einerseits liefert der Einsatz wertvolle Daten für die KI-Weiterentwicklung. Andererseits bleibt die finanzielle Skalierbarkeit in diesem regulierten und logistisch komplexen Umfeld schwer kalkulierbar.

Extrem überverkauft, aber kein Boden in Sicht

Der RSI liegt bei 17,1 und signalisiert eine stark überverkaufte Aktie. Historisch folgt auf solche Werte oft eine technische Gegenbewegung. Angesichts der fundamentalen Neuausrichtung und der massiven Prognosekürzung ist eine Bodenbildung bei 1,83 Euro aktuell aber nicht gesichert.

Die Marktkapitalisierung ist auf knapp 50 Millionen Euro geschrumpft. Für Circus hängt viel davon ab, ob die Verteidigungssparte tatsächlich zum tragfähigen zweiten Standbein wird, während das zivile Geschäft seine Wachstumsdelle überwindet.