Die Aktie von Circus SE hat einen turbulenten Monat hinter sich. Nach einer massiven Kürzung der Umsatzprognose und einem folgenden Kursrutsch hat nun ein Aufsichtsratsmitglied ein Signal gesetzt: Dr. Jan-Christian Heins kaufte am 20. Juli 5.000 Aktien zu einem Preis von 2,15 Euro pro Stück.
Prognosekürzung erschüttert das Vertrauen
Auslöser der jüngsten Verwerfungen war eine drastische Anpassung der Umsatzerwartung für 2026. Das Unternehmen senkte am 16. Juli seine Prognose von zuvor 44 bis 55 Millionen Euro auf nur noch 5,2 Millionen Euro. Gleichzeitig stellte Circus einen operativen Verlust auf EBITDA-Basis von rund 17 Millionen Euro in Aussicht. Die Reaktion am Markt fiel entsprechend heftig aus: Binnen 30 Tagen verlor die Aktie laut Kursdaten 68,47 Prozent an Wert. Aktuell notiert das Papier bei 2,04 Euro, nach einem Schlusskurs von 2,02 Euro am Mittwoch – ein leichtes Plus von 0,99 Prozent im Tagesverlauf. Der Relative-Stärke-Index von 14,6 signalisiert eine stark überverkaufte Aktie, was die Heftigkeit der vorangegangenen Abwärtsbewegung unterstreicht.
Die Analysehäuser reagierten prompt auf die neue Guidance. mwb research strich sein Kursziel drastisch von 46 auf 8,40 Euro zusammen, blieb damit aber deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Montega ging noch weiter und senkte sein Ziel von zuvor 10 Euro auf nunmehr 2,20 Euro – nahezu auf Höhe des aktuellen Börsenkurses.
Führungswechsel und operative Meilensteine
In die Phase der Prognoserevision fiel auch ein personeller Umbau an der Unternehmensspitze. Bereits Anfang Juli hatte Circus die Installation eines neuen Co-CEO angekündigt, am 16. Juli wurde beim Q2-Update der Name bekanntgegeben: Christian Bauer übernimmt die Position. Der Führungswechsel fällt damit in dieselbe Woche wie die Bekanntgabe der gekappten Umsatzziele – ein zeitliches Zusammentreffen, das die angespannte Lage des Unternehmens zusätzlich unterstreicht.
Auf der operativen Seite meldete Circus am 16. Juli den Start des Live-Betriebs eines autonomen Catering-Systems in der Ukraine. Der Einsatz markiert einen konkreten Schritt in der Umsetzung der Unternehmensstrategie, auch wenn er die kurzfristigen Umsatzprobleme offensichtlich nicht auffangen konnte. Bereits Anfang Juli, am 2. Juli, hatte Circus zudem die Übernahme von Alberts vollzogen. Parallel dazu läuft weiterhin ein Patentstreit, dessen Ausgang bislang unklar bleibt.
Insiderkauf als Vertrauenssignal
Vor diesem Hintergrund gewinnt der Aktienkauf von Heins an Bedeutung. Insiderkäufe nach starken Kursverlusten werden am Markt häufig als Signal gedeutet, dass Personen mit tieferem Einblick in die Unternehmenslage die aktuelle Bewertung für übertrieben pessimistisch halten. Mit einem Kaufpreis von 2,15 Euro erwarb Heins die Aktien nur knapp über dem aktuellen Kursniveau von 2,04 Euro – der Vorstand griff damit praktisch zu aktuellen Marktkonditionen zu, nicht zu einem Schnäppchenpreis unterhalb des Tiefs.
Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt derzeit bei 58,14 Millionen Euro. Angesichts der auf 5,2 Millionen Euro gekappten Umsatzprognose und des erwarteten EBITDA-Verlusts von rund 17 Millionen Euro bleibt die fundamentale Ausgangslage angespannt. Die massive Diskrepanz zwischen den ursprünglichen Erwartungen von 44 bis 55 Millionen Euro Umsatz und dem nun kommunizierten Wert von 5,2 Millionen Euro dürfte Anleger auch in den kommenden Wochen beschäftigen, zumal die stark divergierenden Analystenziele – von 2,20 bis 8,40 Euro – die Unsicherheit über die faire Bewertung des Papiers verdeutlichen. Für Anleger bleibt entscheidend, ob die operativen Fortschritte in der Ukraine und die Integration von Alberts ausreichen, um das verlorene Vertrauen mittelfristig zurückzugewinnen.
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