Die Circus SE hat mit einer drastischen Prognosekürzung für Unruhe gesorgt. Das Unternehmen senkte am 16. Juli seine Umsatzerwartung für das Geschäftsjahr 2026 von ursprünglich 44,0 bis 55,0 Millionen Euro auf nur noch 5,2 Millionen Euro. Zugleich weitete Circus den erwarteten EBITDA-Verlust auf rund 17,0 Millionen Euro aus, nachdem zuvor lediglich 6,0 bis 8,0 Millionen Euro Verlust im Raum standen. Laut EQS News begründet das Unternehmen die Kürzung mit einer strategischen Drosselung des System-Rollouts auf etwa 50 Einheiten.
Massive Prognosekürzung erschüttert Anleger
Der Kurssturz der vergangenen Wochen spiegelt das Ausmaß der Neubewertung wider. Binnen 30 Tagen hat die Aktie 68,78 Prozent an Wert verloren, allein in den vergangenen sieben Handelstagen ging es um 19,04 Prozent nach unten. Am Mittwoch schloss das Papier bei 2,02 Euro, nach einer leichten Erholung von 0,50 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen nur noch bei 58,14 Millionen Euro. Ein Blick auf den Relative-Stärke-Index von 14,2 zeigt, dass die Aktie technisch als stark überverkauft gilt.
Montega stuft Aktie herab
Die Prognosekürzung blieb bei der Analystengemeinde nicht ohne Folgen. Montega AG stufte die Circus-Aktie am 20. Juli von „Kaufen“ auf „Halten“ herab und senkte das Kursziel drastisch von 10,00 Euro auf 2,20 Euro. Wie Börse Global unter Berufung auf dpa-AFX berichtete, sehen die Analysten die Wachstumsstory des Unternehmens gefährdet und rechnen nun mit operativen Verlusten bis mindestens 2030. Die deutliche Kurszielsenkung markiert einen fundamentalen Bruch mit der bisherigen Wachstumserzählung rund um die autonomen Verpflegungssysteme des Unternehmens.
Verwaltungsratsvorsitzender kauft Aktien
Ein Gegensignal setzte ausgerechnet der Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Jan-Christian Heins. Er erwarb am 20. Juli im Rahmen eines meldepflichtigen Eigengeschäfts 5.003 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 2,15 Euro, was einem Gesamtvolumen von 10.758 Euro entspricht. Solche Insiderkäufe werden am Markt häufig als Vertrauensbeweis gewertet, auch wenn das Volumen angesichts der Marktkapitalisierung von gut 58 Millionen Euro überschaubar bleibt.
Operativ kann Circus zumindest einen Etappenerfolg vermelden. Am 16. Juli meldete das Unternehmen den Start des Live-Betriebs seiner autonomen Verpflegungssysteme bei der 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Bodentruppen im Raum Kiew, nachdem die behördliche Zertifizierung vorlag. Bereits Anfang Juli hatte Circus den Abschluss der Übernahme des belgischen Food-Robotik-Unternehmens Alberts finalisiert. Das Entgelt umfasst 1,2 Millionen neue Circus-Aktien mit einer Lock-up-Frist bis September 2028 sowie eine Barkomponente von bis zu 350.000 Euro, die an das Erreichen definierter Meilensteine geknüpft ist.
Hauptversammlung und Quartalszahlen im Blick
Für Anleger rücken nun zwei Termine in den Fokus. Am 20. August findet die virtuelle ordentliche Hauptversammlung statt, bei der die Aktionäre erstmals seit der Gewinnwarnung Gelegenheit zur Aussprache mit dem Management erhalten dürften. Bereits am 2. September folgen die Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026, die erste konkrete Einblicke liefern werden, wie sich der gedrosselte System-Rollout auf die operativen Kennzahlen auswirkt. Angesichts der massiven Diskrepanz zwischen alter und neuer Umsatzprognose dürfte insbesondere die Frage im Mittelpunkt stehen, ob sich die Drosselung als temporäre Vorsichtsmaßnahme oder als strukturelles Problem des Geschäftsmodells erweist.
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