Das Unternehmen erwartet für 2026 nur noch einen Umsatz von 5,2 Millionen Euro – bislang hatte das Management 44 bis 55 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Auch die EBITDA-Prognose fällt deutlich schlechter aus: Statt eines Verlusts von 6 bis 8 Millionen Euro rechnet Circus nun mit rund minus 17 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen bei einem Umsatz von 1,6 Millionen Euro ein EBITDA von minus 18,8 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Kürzung kommt einer fast vollständigen Streichung der ursprünglichen Wachstumsstory gleich. Als Begründung nennt Circus die strategische Entscheidung, geplante Systemauslieferungen aus der zweiten Jahreshälfte 2026 ins Geschäftsjahr 2027 zu verschieben. Damit will das Unternehmen die Wirtschaftlichkeit einzelner Kundenprojekte, die sogenannten Unit Economics, verbessern, bevor es in die Fläche skaliert. Die Details zur neuen Prognose sollten Anlegern beim Q2 Operational Update am heutigen 16. Juli näher erläutert werden.

Fokus auf Verteidigung, Gemeinschaftsverpflegung und Ukraine

Statt auf breites Mengenwachstum setzt Circus künftig auf ausgewählte Kunden in zwei Kernsegmenten: Gemeinschaftsverpflegung sowie institutionelle und Verteidigungskunden. Explizit genannt wird dabei ein Markteintritt in der Ukraine. Das Unternehmen betont, weiterhin ausreichend finanziert zu sein – ein Hinweis, der angesichts der massiven Prognosekorrektur offenbar Sorgen um die Liquidität zerstreuen soll. Wie tragfähig diese Neuausrichtung operativ ist, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, wenn die verschobenen Systemeinführungen tatsächlich ins Geschäftsjahr 2027 fallen.

Aktie nahe historischem Tief, hohe Schwankungsbreite

Die Kursreaktion der vergangenen Wochen spiegelt die tiefgreifende Neubewertung des Unternehmens wider. Zum Mittwochsschluss notierte die Circus-Aktie bei 4,94 Euro. Auf Wochensicht steht zwar ein Plus von 5,89 Prozent zu Buche, doch der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt einen Rückgang von 25,15 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp 59 Prozent an Wert verloren, binnen zwölf Monaten sogar rund 64,46 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 23,50 Euro, erreicht am 4. November 2025, trennen die Aktie inzwischen fast 79 Prozent. Deutlich näher liegt das erst vor wenigen Tagen markierte 52-Wochen-Tief von 4,57 Euro vom 9. Juli 2026 – der aktuelle Kurs notiert nur gut 8 Prozent darüber. Auch im Vergleich zu den gleitenden Durchschnitten zeigt sich die Schwäche: Der Kurs liegt gut 25 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 6,62 Euro und gut 51 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,13 Euro. Der RSI von 34,9 signalisiert eine überverkaufte Situation, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 69,25 Prozent die Nervosität rund um den Titel unterstreicht. Die Marktkapitalisierung von Circus beläuft sich derzeit auf 111,69 Millionen Euro.

Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob die verschobene Skalierung ab 2027 tatsächlich zu tragfähigeren Margen führt oder ob die drastische Prognosekorrektur ein Vorbote weiterer Anpassungen ist. Das Q2 Operational Update am heutigen Tag dürfte darüber erste Anhaltspunkte liefern.