Rekordzahlen, aber keine Kursrally. Circus SE meldet das stärkste Quartal der Unternehmensgeschichte — und die Aktie notiert trotzdem rund 64 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 22,80 Euro. Der Grund: Anleger warten nicht auf operative Fortschritte, sondern auf Verträge.
Piloten laufen, Verträge fehlen
Das Hamburger Robotik-Unternehmen führt aktuell Pilotprojekte bei der Bundeswehr, REWE und der Mercedes-Benz Gastronomie durch. Piloten sind keine Verträge. Genau das ist der Kern des Problems.
Für 2026 stellt der Vorstand Erlöse zwischen 44 und 55 Millionen Euro in Aussicht. Im vergangenen Jahr erzielte Circus gerade einmal eine Viertelmillion Euro Umsatz. Der operative Verlust lag bei knapp 15 Millionen Euro. Der geplante Sprung setzt voraus, dass laufende Pilotprojekte in verbindliche Verträge münden — und zwar schnell.
Leasing soll Einstiegshürden senken
Ein neues Finanzierungsmodell soll die Konversion beschleunigen. Ab 4.000 Euro monatlich erhalten Kunden Zugang zu den autonomen Systemen — ohne Vorabinvestition. Partner sind MMV Leasing, eine Tochter der Landesbank Baden-Württemberg, sowie Siemens Financial Services. Das Unternehmen erwartet dadurch eine Verkürzung der Verkaufszyklen um bis zu 70 Prozent.
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Das zielt direkt auf das größte Hindernis für Industrierobotik: hohe Anfangsinvestitionen. Krankenhäuser, Caterer und Kantinenbetreiber können die Systeme nun leasen statt kaufen.
Von Hardware zu Software
Parallel baut Circus das Betriebssystem CircusOS zur eigenständigen Plattform aus. Grundlage sind über 45.000 Stunden gesammelte Betriebsdaten. In Zusammenarbeit mit Meta werden Küchenbetreiber mit Ray-Ban-Smart-Glasses ausgerüstet, die Bedienanleitungen in Echtzeit einblenden. Langfristig soll CircusOS als SaaS-Produkt für Drittküchen vermarktet werden.
Auf der Fertigungsseite halbierte Circus gemeinsam mit Partner Celestica die Produktionszeit des CA-1 auf rund vier Wochen. Die Kapazität soll bis zum vierten Quartal auf 64 Einheiten pro Monat steigen — mehr als der modellierte Jahresbedarf von 205 Einheiten.
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Nächster Prüfstein: 20. Mai
Am 20. Mai präsentiert sich das Management auf dem Cantor European Summit in Hamburg. Marktteilnehmer erwarten dort konkrete Angaben zur Integration des übernommenen Konkurrenten Alberts, Updates zu NATO-Logistikprojekten — und vor allem: wie viele Vorbestellungen inzwischen in verbindliche Verträge umgewandelt wurden.
mwb research hält am Kursziel von 46 Euro fest und erwartet am oberen Ende der Prognose rund 55 Millionen Euro Umsatz. Den Gewinn je Aktie sehen die Analysten 2026 noch bei minus 0,30 Euro. Der erste positive Wert soll 2027 folgen.
Am 3. Juni veröffentlicht Circus den Quartalsbericht für Q1 2026. Spätestens dann wird sich zeigen, wie viele Piloten tatsächlich zu Verträgen geworden sind — und ob die Umsatzprognose noch trägt.
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