Die Circus-Aktie kämpft sich am Dienstag mit einem Plus von 6,08 Prozent auf 2,18 Euro zurück, nachdem sie in den vergangenen 30 Tagen rund 64,38 Prozent ihres Wertes verloren hat. Der Rebound kommt nicht von ungefähr: Nach einer heftigen Gewinnwarnung und einer drastischen Kurszielsenkung durch das Analysehaus Montega hatte die Aktie zuletzt kaum noch Boden unter den Füßen.
Gewinnwarnung wirft Wachstumspläne über den Haufen
Auslöser der jüngsten Talfahrt war eine Gewinnwarnung, die Circus SE Mitte Juli veröffentlichte. Statt der ursprünglich in Aussicht gestellten Umsatzspanne von 44 bis 55 Millionen Euro rechnet das Unternehmen für 2026 nun nur noch mit 5,2 Millionen Euro Umsatz. Auf der Ergebnisseite droht ein operativer Verlust: Das EBITDA soll bei minus 17 Millionen Euro landen. Die Diskrepanz zwischen ursprünglicher Prognose und neuer Realität zählt zu den massivsten Korrekturen, die zuletzt an der Börse für ein deutsches Robotik- beziehungsweise Verteidigungs-nahes Unternehmen zu beobachten waren.
Montega senkt Kursziel von 10 auf 2,20 Euro
Auf diese Entwicklung reagierte Montega am 20. Juli mit einem deutlichen Schnitt: Das Kursziel wurde von 10,00 Euro auf 2,20 Euro gesenkt, die Einstufung von „Kaufen“ auf „Halten“ zurückgenommen. Damit liegt das neue Kursziel nur noch minimal über dem aktuellen Kursniveau von 2,18 Euro – die Luft nach oben, die Montega der Aktie noch zutraut, ist nach der Neubewertung deutlich geschrumpft. Die Herabstufung markiert einen Bruch mit der bisherigen, deutlich optimistischeren Einschätzung des Analysehauses und dürfte für Anleger, die auf das ursprüngliche Wachstumsversprechen gesetzt hatten, ein Weckruf gewesen sein.
CEO kauft Aktien, Ukraine-Geschäft läuft an
Inmitten des Kurseinbruchs setzte der Vorstandschef ein Signal: Er erwarb 5.000 Aktien zu einem Kurs von 2,15 Euro – nahe am aktuellen Niveau und damit ein Bekenntnis zum eigenen Unternehmen in einer Phase größter Unsicherheit. Operativ gibt es zudem zwei Entwicklungen, die Circus stützen könnten: Die Übernahme des Unternehmens Alberts wurde abgeschlossen, und der Live-Betrieb in der Ukraine ist gestartet. Berichten zufolge beginnt Circus dort mit der Versorgung ukrainischer Truppen und tritt damit in direkte Konkurrenz zum Hamburger Robotik-Anbieter Goodbytz, der zeitgleich sein automatisiertes Küchensystem an die US-Militärbasis Fort Hood in Texas ausliefert. Der Wettbewerb um Verpflegungslösungen für Streitkräfte gewinnt damit an Kontur – für Circus ist der Ukraine-Einsatz ein erster konkreter Beleg dafür, dass die Technologie auch im militärischen Umfeld praxistauglich ist.
Charttechnisch überverkauft
Aus charttechnischer Sicht liefert der Relative-Stärke-Index (RSI) von 16,3 auf 14-Tage-Basis ein klares Signal: Mit einem Wert deutlich unter der üblichen Schwelle von 30 gilt die Aktie als stark überverkauft. Das dürfte zumindest teilweise erklären, warum es am Dienstag nach dem massiven Ausverkauf zu einer technischen Gegenbewegung kam. Die annualisierte Volatilität von rund 149 Prozent zeigt jedoch, wie nervös der Handel in der Circus-Aktie derzeit verläuft. Bei einer Marktkapitalisierung von 55,87 Millionen Euro reagiert der Kurs auf jede neue Nachricht überproportional stark – sowohl nach unten als auch, wie am heutigen Tag, nach oben.
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