Der Netzwerkriese Cisco Systems verzeichnet eine massive Beschleunigung seines Geschäfts durch die steigende Nachfrage nach Infrastruktur für künstliche Intelligenz.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2026 summierte sich das Auftragsvolumen im Bereich der KI-Infrastruktur auf 9,3 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einer Vervierfachung gegenüber dem vorangegangenen Zeitraum und unterstreicht die wachsende Bedeutung spezialisierter Hardware für Rechenzentren.

Rekordergebnisse und ambitionierter Ausblick

Das Unternehmen schloss das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 mit einem Umsatz von 17,3 Milliarden US-Dollar ab, was einer Steigerung von rund 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Der Gewinn pro Aktie (EPS) belief sich auf 1,22 US-Dollar und übertraf damit die Konsensschätzungen der Analysten, die im Vorfeld bei 1,17 US-Dollar gelegen hatten. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 meldete Cisco einen Umsatz von 63,3 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für das kommende Geschäftsjahr 2027 zeigt sich die Konzernführung optimistisch und gab eine Umsatzprognose zwischen 72,2 und 73,4 Milliarden US-Dollar aus.

Beim bereinigten Gewinn pro Aktie wird ein Zielkorridor von 5,05 bis 5,11 US-Dollar angestrebt. Die Quartalsdividende bleibt mit 0,42 US-Dollar pro Aktie stabil, was einer annualisierten Ausschüttung von 1,68 US-Dollar entspricht.

Der „Mythos-Effekt“ erzwingt Hardware-Upgrades

Ein zentraler Treiber für die künftige Nachfrage ist laut CEO Chuck Robbins der sogenannte „Mythos-Effekt“. Das KI-Modell Mythos von Anthropic ist in der Lage, Sicherheitslücken in Netzwerkgeräten mit bisher unerreichter Präzision aufzuspüren. Dies zwingt Unternehmen dazu, veraltete Hardware, die diese Sicherheitsrisiken nicht mehr durch Software-Updates abfangen kann, deutlich schneller als geplant durch moderne Systeme zu ersetzen. Robbins bezeichnete diesen Trend neben dem Quantencomputing und der allgemeinen KI-Welle als wesentlichen Pfeiler eines neuen Hardware-Superzyklus.

Auch intern setzt Cisco verstärkt auf Automatisierung. Im vergangenen Jahr wurden bereits 145.000 Support-Fälle vollständig durch KI-Systeme gelöst. Der KI-Assistent „Circuit“ verarbeitete allein in einem Quartal rund 75 Millionen Nutzeranfragen, was die Effizienz in der Kundenbetreuung und internen Verwaltung signifikant gesteigert hat.

Analystenreaktionen und institutionelles Interesse

Trotz der starken Zahlen und des technologischen Rückenwinds reagierten einige Analysten zurückhaltend auf die jüngste Kursentwicklung. Die Bank HSBC stufte die Aktie am heutigen Sonntag auf „Hold“ herab und senkte das Kursziel von 137 auf 120 US-Dollar.

Demgegenüber steht ein reges Interesse großer institutioneller Investoren. Im zweiten Quartal 2026 bauten unter anderem Vanguard und State Street ihre Positionen weiter aus, während Bridgewater Advisors und die Norges Bank neue Beteiligungen an dem Technologiekonzern eingingen.

Am Markt wurde die Aktie am Freitag mit einem Abschlag gehandelt; das Papier ging bei 96,50 Euro aus dem Handel, was einem Tagesminus von 2,0 Prozent entspricht. Dennoch notiert der Wert weiterhin komfortabel über langfristigen Trendlinien und liegt aktuell 21 Prozent über dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage.

Während Wettbewerber wie Hewlett Packard Enterprise (HPE) im Bereich Networking ebenfalls enorme Zuwachsraten von über 140 Prozent vermeldeten, festigt Cisco durch die hohe Dynamik bei KI-Aufträgen seine Position im Wettbewerb um die Rechenzentrums-Architektur der Zukunft.