Zwei Bitcoin-Miner, ein Analysehaus, zwei völlig unterschiedliche Urteile: Bernstein hält an CleanSpark mit einem Kursziel von 24 Dollar fest und stuft die Aktie als „Outperform“ ein. Der große Rivale MARA Holdings kommt dagegen nur auf „Market-Perform“ bei einem Ziel von 17 Dollar. Der Unterschied liegt laut den Analysten um Gautam Chhugani schlicht in der Umsetzung.

Sandersville als Beleg für Ausführungsstärke

CleanSpark hat für seinen Standort in Sandersville, Georgia, bereits einen zahlungskräftigen Ankermieter mit Investment-Grade-Rating gewonnen. Der 20-jährige Triple-Net-Leasingvertrag über 175 IT-Megawatt ist mit 6,6 Milliarden Dollar bewertet und räumt dem Mieter zusätzlich eine Exklusivität über das gesamte 885-Megawatt-Portfolio in Texas ein. Bernstein wertet das als entscheidenden Unterschied zu MARA, das noch auf seinen ersten kommerziellen KI-Vertrag wartet — auch wenn MARAs Management bis Jahresende mit mindestens zwei Abschlüssen rechnet.

Der Eigenkapitalanteil für Sandersville ist bereits vollständig finanziert. Für den geschätzten Projekt-Capex von rund 1,9 Milliarden Dollar sucht CleanSpark nun eine besicherte Fremdfinanzierung mit einem Beleihungsauslauf von 90 Prozent. Zum 30. Juni verfügte das Unternehmen über eine Liquidität von etwa 900 Millionen Dollar.

Eine Prüfungsauflage für Rechenzentrumsprojekte in Texas könnte den ERCOT-Genehmigungsprozess verzögern — mehr Klarheit soll eine Anhörung der texanischen Regulierungsbehörde am 20. August bringen. Nach Einschätzung des Managements ändert das aber nichts am geplanten Zeitplan für die Standorte Sealy und Brazoria, die 2027 ans Netz gehen sollen.

Schwaches Quartal, robuste Substanz

Die zugrunde liegenden Zahlen zeigen, wie stark der Bitcoin-Mining-Betrieb aktuell unter Druck steht. Im dritten Fiskalquartal bis Ende Juni sank der Umsatz um 30,5 Prozent auf 138,0 Millionen Dollar. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 239,8 Millionen Dollar, nach einem Gewinn von 257,4 Millionen Dollar im Vorjahresquartal — belastet auch durch Bewertungsverluste auf den Bitcoin-Bestand.

CleanSpark hält weiterhin 13.924 Bitcoin und zählt damit zu den größeren Firmenhaltern der Kryptowährung. Mit rund 2,1 Gigawatt geplanter Stromkapazität über fünf US-Bundesstaaten hinweg — von Georgia bis Wyoming — bleibt die Infrastrukturbasis breit aufgestellt.

Die Aktie schloss am Donnerstag bei 12,75 Dollar, was laut Bernstein einem Abschlag von 88 Prozent zum eigenen Kursziel entspricht. Nächste Gelegenheit für das Management, die Story bei Investoren zu schärfen: Auftritte auf der KeyBanc Technology Leadership Forum am 10. August, der Canaccord-Genuity-Wachstumskonferenz am 11. August und der Needham-KI-Infrastruktur-Konferenz am 12. August.