Während das operative Geschäft von Cliq Digital im vergangenen Jahr massiv eingebrochen ist, treibt ein ungewöhnliches Rückkaufangebot den Kurs auf ein neues 6-Monats-Hoch. Der Großaktionär Dylan Media B.V. schlägt vor, mehr als die Hälfte aller Anteile weit über dem aktuellen Marktwert zurückzuerwerben. Dieser Vorstoß sorgt für eine deutliche Entkoppelung des Aktienkurses von der schwierigen fundamentalen Lage des Unternehmens.

3,85 Euro pro Aktie im Visier

Im Zentrum des Anlegerinteresses steht der Entwurf für ein Rückkaufangebot über bis zu 2.987.012 eigene Anteile. Dies entspricht etwa 51 % des Grundkapitals. Der vorgeschlagene Preis von 3,85 EUR je Aktie liegt signifikant über dem letzten Börsenkurs von rund 2,65 EUR. Marktbeobachter werten die daraus resultierende Arbitrage-Möglichkeit als Hauptgrund für die jüngste Kursrally.

Über das Vorhaben wird auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 24. April 2026 entschieden. Da Dylan Media B.V. bereits angekündigt hat, das Angebot für die eigenen Bestände nicht anzunehmen, erhöht sich die Chance für die übrigen Aktionäre, ihre Papiere zur genannten Prämie anzudienen.

Operativer Kahlschlag und Segmentwechsel

Die Euphorie über den möglichen Rückkauf steht im krassen Gegensatz zur operativen Bilanz des Geschäftsjahres 2025. Das Unternehmen bestätigte Anfang März einen massiven Einbruch der Kennzahlen:

  • Umsatz: Rückgang um 46 % auf rund 132 Mio. EUR.
  • EBITDA: Absturz auf -6,4 Mio. EUR (Vorjahr: +10,2 Mio. EUR).
  • Jahresfehlbetrag: Verlust von 12,45 Mio. EUR.

Um die Kostenbasis zu senken, vollzog Cliq Digital am 23. März 2026 den Wechsel vom Scale-Segment in das weniger regulierte Basic Board der Frankfurter Börse. Diese Maßnahme flankiert eine umfassende Restrukturierung, die neben einem Stellenabbau auch deutlich geringere Marketingausgaben für die Neukundengewinnung vorsieht.

Stabilisierung auf niedrigem Niveau geplant

Sollte die Hauptversammlung im April dem Rückkauf zustimmen, dürfte der Preis von 3,85 EUR vorerst als kalkulatorische Untergrenze für den Aktienkurs fungieren. Langfristig bleibt die operative Wende jedoch das bestimmende Thema.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 rechnet der Vorstand nur noch mit einem konsolidierten Umsatz zwischen 40 und 60 Mio. EUR. Beim EBITDA wird eine Spanne von 0 bis 5 Mio. EUR angestrebt. Diese Prognose verdeutlicht, dass das Unternehmen nach dem harten Einschnitt im Vorjahr zunächst versucht, eine Stabilisierung auf deutlich kleinerer Flamme zu erreichen.