Einen Tag vor der Vorlage der Quartalszahlen schickt Cloudflare gleich zwei neue Produkte ins Rennen. Der Netzwerk- und Sicherheitsanbieter positioniert sich damit tiefer im Unternehmens-KI-Geschäft — und liefert damit auch einen Fingerzeig, wo das Wachstum künftig herkommen soll.

Cloudflare OS: Der Arbeitsplatz für KI-Agenten

Mit Cloudflare OS bringt das Unternehmen eine Open-Source-Plattform an den Start, die jedem Mitarbeiter einen abgesicherten Arbeitsbereich samt KI-Werkzeugen geben soll — inklusive Zugriff auf interne Systeme, ohne dass Firmen dafür neue Infrastruktur aufbauen müssen. Die Software lief zunächst intern bei Cloudflare selbst, bevor sie nun frei verfügbar gemacht wird. Zugriffsrechte für KI-Agenten sind dabei standardmäßig auf null gesetzt und werden nur gezielt für einzelne Aufgaben freigeschaltet.

Für die Einführung bei komplexeren Kundenumgebungen kooperiert Cloudflare mit Implementierungspartnern wie Presidio und Happy Cog. Firmenchef Matthew Prince begründet den Schritt damit, dass KI-Tools bislang zu wenig über die internen Abläufe eines Unternehmens wüssten und jede Sitzung bei null beginne. Über das hauseigene AI Gateway lassen sich zudem beliebige KI-Modelle anbinden, Kosten pro Team oder Anwendung lassen sich einzeln budgetieren.

Identity-Aware AI Gateway: Kontrolle über KI-Ausgaben

Parallel dazu launchte Cloudflare das Identity-Aware AI Gateway, das IT-Teams erstmals genau zeigen soll, welcher Mitarbeiter oder welcher automatisierte Agent eine KI-Anfrage ausgelöst hat. Die Funktion „User Insights“ lernt dabei das normale Nutzungsverhalten jedes Accounts und schlägt Alarm, sobald Ausgaben oder Anfragemuster deutlich davon abweichen.

Hintergrund ist ein wachsendes Problem vieler Unternehmen: Steigende KI-Nutzung treibt Kosten und Sicherheitsrisiken gleichermaßen nach oben, weil sensible Daten unbemerkt an externe Modellanbieter durchgereicht werden können. Cloudflare verspricht hier lückenlose Nachvollziehbarkeit — jede Anfrage wird mit einer verifizierten Identität verknüpft, geteilte API-Schlüssel werden überflüssig.

Beide Produkte zielen auf dasselbe Kundenproblem: Unternehmen wollen KI-Tools einsetzen, ohne die Kontrolle über Kosten und Datenflüsse zu verlieren. Cloudflare positioniert sich damit als Sicherheitsschicht zwischen Belegschaft und KI-Modellanbietern — ein Feld, auf dem der Wettbewerb um Enterprise-Kunden zunehmend über Governance-Funktionen entschieden wird.

Die Zahlen zum abgelaufenen Quartal legt Cloudflare morgen, am 6. August, vor. Dann zeigt sich, ob sich das KI-Portfolio bereits in den Auftragseingängen niederschlägt oder ob die Produktoffensive vor allem strategische Weichenstellung für die kommenden Quartale ist.