Im heutigen Handel verzeichnet die Aktie von Coherent einen deutlichen Rückgang von 8,0 Prozent, obwohl das Unternehmen erst vor wenigen Tagen eine beeindruckende Bilanz für das vierte Geschäftsquartal vorgelegt hat.

Während am Markt aktuell kein spezifischer neuer Auslöser für den Kursrutsch identifiziert wurde, steht die Bewegung im Kontrast zu einer Reihe von Kurszielerhöhungen durch namhafte Analysehäuser am gestrigen Montag. Trotz der aktuellen Korrektur weist das Papier seit Jahresbeginn eine positive Wertentwicklung von 72 Prozent auf.

Starke Quartalsbilanz und volle Auftragsbücher

Am vergangenen Mittwoch meldete Coherent für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 2,05 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Damit übertraf das Unternehmen die Konsensschätzungen der Analysten von 1,99 Milliarden US-Dollar.

Besonders kräftig wuchs das Segment Datacenter und Kommunikation, das mit einem Erlös von 1,62 Milliarden US-Dollar ein Plus von 58,6 Prozent im Jahresvergleich erzielte. Im Gegensatz dazu verzeichnete der industrielle Bereich einen Rückgang von 15,8 Prozent auf 430,5 Millionen US-Dollar.

Die Ertragslage verbesserte sich ebenfalls deutlich. Der bereinigte Gewinn pro Aktie stieg um 0,74 US-Dollar auf nun 1,74 US-Dollar. Die Bruttomarge nach GAAP kletterte auf 38,5 Prozent. CEO Jim Anderson zeigte sich angesichts dieser Zahlen zuversichtlich und stellte in Aussicht, dass Coherent bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 das erste Quartal mit einem Umsatz von mehr als 3 Milliarden US-Dollar erreichen könnte.

Analysten heben Kursziele nach Rekordergebnissen an

Die positive operative Entwicklung veranlasste zahlreiche Experten dazu, ihre Einschätzungen für das Unternehmen nach oben zu korrigieren. Die Analysten von Rosenblatt erhöhten am gestrigen Montag ihr Kursziel für Coherent von 425 auf 500 US-Dollar. Sie verwiesen dabei auf die außergewöhnliche Auftragslage: Die Produktion für das Geschäftsjahr 2027 sei effektiv bereits ausverkauft, während sogar für das Kalenderjahr 2028 bereits Buchungen entgegengenommen würden.

Auch JPMorgan passte die Erwartungen an und hob das Kursziel am Montag auf 465 US-Dollar an. Parallel dazu erhöhte Jefferies das Ziel auf 420 US-Dollar und betonte den klaren Pfad zum Erreichen der Drei-Milliarden-Dollar-Umsatzmarke.

Diese Einschätzungen stützen sich auf langfristige Lieferverträge, die teilweise bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts reichen. Damit scheint die fundamentale Basis des Unternehmens durch den Boom bei Künstlicher Intelligenz und der damit verbundenen Nachfrage nach optischer Infrastruktur gefestigt.

Technologische Meilensteine und Marktkontext

Ein weiterer Faktor für die künftige Positionierung ist der Fortschritt in der Materialwissenschaft. Coherent gab am Mittwoch bekannt, mit der Bemusterung seiner neuen 300mm-Siliziumkarbid-Substrate mit hoher Wärmeleitfähigkeit begonnen zu haben. Diese sind speziell für Partner im Bereich der KI-Halbleiter konzipiert. Aktuell notiert die Aktie bei 279,00 Euro und konsolidiert damit die massiven Gewinne der vergangenen Monate.

Zusätzliche Dynamik könnte der Sektor durch regulatorische Entwicklungen erhalten. Medienberichten zufolge plant die US-Regierung über die FCC Beschränkungen für den Import chinesischer optischer Transceiver. Dies könnte die Marktposition westlicher Anbieter wie Coherent stärken, die direkt mit großen chinesischen Herstellern konkurrieren.

Die nächsten detaillierten Einblicke in die Geschäftsentwicklung werden für den 4. November erwartet, wenn das Unternehmen seine Ergebnisse für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres vorlegen wird.