Ein schwaches zweites Quartal gilt an der Wall Street inzwischen als ausgemachte Sache. Trotzdem schrauben mehrere Analysten ihre Kursziele für Coinbase nach oben – und setzen dabei auf einen politischen Katalysator, der die Rechnung komplett verändern könnte.

US Tiger Securities hat sein Kursziel für die Coinbase-Aktie deutlich angehoben – von 200 auf 250 Dollar – und bestätigt die Kaufempfehlung. Die Aktie notiert derzeit bei rund 170 Dollar, spürbar unter dem Analysten-Höchstziel von 400 Dollar, aber über dem von InvestingPro ermittelten fairen Wert von 136,38 Dollar.

Das neue Kursziel beruht auf einer Bewertung von knapp dem 21-Fachen des für 2027 erwarteten EBITDA. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Anhebung eher der mittelfristigen Bitcoin-Perspektive gilt als der aktuellen Geschäftslage.

Für das laufende Quartal rechnet US Tiger mit 1,22 Milliarden Dollar Umsatz, 19 Prozent weniger als vor einem Jahr. Das bereinigte EBITDA soll auf 294 Millionen Dollar fallen – deutlich weniger als im Vorjahresquartal. Der Gewinn je Aktie für das Gesamtjahr wird nach mehreren Abwärtskorrekturen nur noch bei 0,71 Dollar gesehen.

Clarity Act als Hoffnungsträger

Benchmark-Analyst Mark Palmer sieht ähnlich nüchtern auf die Zahlen, bleibt aber bei einem Kursziel von 270 Dollar. Er senkte seine Umsatzschätzung fürs Quartal auf 1,38 Milliarden Dollar und die Jahresprognose auf 6 Milliarden Dollar.

Der Spot-Handel an zentralen Börsen brach im Quartal um rund 28 Prozent ein. Im Juni kletterte das Volumen laut Palmer aber erstmals seit März wieder über die Marke von einer Billion Dollar – ein erstes Zeichen der Stabilisierung.

Wichtiger als das Quartal selbst sei ohnehin der politische Hintergrund. Der Markt habe den möglichen „Optionswert“ des Clarity Act noch nicht eingepreist, so Palmer. Das Gesetz zur Marktstruktur für Kryptowährungen nahm zuletzt eine entscheidende Hürde: Präsident Trump unterzeichnete die nötige Ethikklausel, die den Weg für eine Abstimmung frei machen soll. Sollte das Vorhaben Gesetz werden, zählt Coinbase laut Benchmark zu den größten Profiteuren.

Nicht alle Analysten sind so zuversichtlich. Raymond James startete die Coverage neutral mit „Market Perform“, Compass Point bleibt bei „Sell“ und verweist auf regulatorische Risiken sowie schwächelnde Fundamentaldaten. Die Kursziele der verschiedenen Häuser reichen inzwischen von 140 bis 270 Dollar.

Coinbase legt die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 kommende Woche vor. Der Clarity Act könnte dann schnell wichtiger werden als die Bilanz selbst – vorausgesetzt, der US-Senat bringt das Gesetz zeitnah zur Abstimmung.