Trotz enttäuschender Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 setzt die Investmentgesellschaft Ark Invest unter der Leitung von Cathie Wood weiterhin auf Coinbase. Gestern erwarb die Gesellschaft zusätzliche Aktien der Krypto-Handelsplattform im Wert von rund 8 Millionen US-Dollar. Die Käufe verteilen sich auf mehrere börsengehandelte Fonds, wobei der Flaggschiff-Fonds ARKK mit rund 5,7 Millionen US-Dollar den größten Anteil übernahm. Insgesamt belaufen sich die Bestände von Ark Invest an Coinbase nun auf rund 324,2 Millionen US-Dollar.

Diversifizierung reduziert Abhängigkeit vom Handelsvolumen

Die jüngsten Quartalszahlen verdeutlichen die aktuelle Herausforderung für Coinbase: Der Umsatz im zweiten Quartal belief sich auf 1,22 Milliarden US-Dollar und verfehlte damit die Markterwartungen von 1,29 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Rückgang von 18,5 Prozent. Der Nettoverlust lag bei 359 Millionen US-Dollar. Dennoch zeigt die Strategie des Unternehmens zur Diversifizierung Wirkung. Der Anteil der Abonnement- und Serviceeinnahmen am Nettoumsatz stieg im zweiten Quartal auf 48 Prozent, verglichen mit lediglich 29 Prozent im vierten Quartal 2024.

Besonders das Angebot „Coinbase One“ verzeichnete ein deutliches Wachstum und zählt mittlerweile über eine Million zahlende Abonnenten. Dies unterstreicht das Bestreben des Managements, die Abhängigkeit von schwankenden Handelsgebühren zu verringern, die zuletzt um 22 Prozent auf 599,2 Millionen US-Dollar sanken. Nur noch 12 Prozent des Umsatzes im zweiten Quartal stammten aus direkten Bitcoin-Transaktionen. Parallel dazu treibt Coinbase die Expansion in die Bereiche Derivate und Infrastruktur voran, unter anderem durch die Integration institutioneller Konten in die Handelsplattform Deribit, die für September geplant ist.

Analysten sehen langfristiges Potenzial

Am heutigen Dienstag notiert die Coinbase-Aktie bei 131,48 Euro, was einem Plus von 2,80 Prozent entspricht. Trotz der kurzfristigen Kursschwankungen und einem deutlichen Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das bei 334,45 Euro liegt und damit 60,69 Prozent entfernt ist, bleiben viele Marktbeobachter zuversichtlich. Die Analysten von HC Wainwright bekräftigten ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 265 US-Dollar. Sie prognostizieren für das kommende Jahr 2027 eine deutliche Steigerung des Gewinns pro Aktie auf 4,37 US-Dollar.

Auch JPMorgan behält das Rating „Overweight“ bei, senkte jedoch nach den jüngsten Quartalszahlen das Kursziel. Kritisch bewerteten die Analysten vor allem die operativen Kosten, die im Jahresvergleich um 22 Prozent gestiegen sind. Demgegenüber steht eine solide Liquiditätsposition: Coinbase verfügt über liquide Mittel in Höhe von 8,8 Milliarden US-Dollar und konnte im zweiten Quartal Wandelschulden im Volumen von 1,3 Milliarden US-Dollar zurückzahlen.

Politisches Tauziehen um den CLARITY Act

Neben den Geschäftszahlen steht das regulatorische Umfeld im Fokus der Anleger. CEO Brian Armstrong drängt den US-Senat verstärkt zur Verabschiedung des sogenannten CLARITY Act. Dieses Gesetz soll klare Regeln für digitale Vermögenswerte schaffen und es Banken ermöglichen, Stablecoins in ihr System zu integrieren. Armstrong betonte heute, dass klare Regulierungen für die nationale Wirtschaftssicherheit unerlässlich seien.

Gleichzeitig wehrt sich Coinbase juristisch gegen Regulierungsbehörden in mehreren Bundesstaaten, darunter Connecticut und Illinois. Hierbei geht es um die Zuständigkeit für Prognosemärkte, die Coinbase unter der Aufsicht der CFTC sieht. Die rechtliche Unsicherheit wird zudem durch den Coinbase Bitcoin Premium Index unterstrichen, der seit 78 Tagen einen Rekordwert im negativen Bereich verzeichnet, was auf einen vorsichtigen Abzug von institutionellem Kapital aus dem US-Markt hindeutet.