KBW hält heute trotz schwächerer Geschäftszahlen an seiner positiven Einschätzung für Coinbase fest. Das Analysehaus bestätigt die Empfehlung „Outperform“, senkt aber das Kursziel von 237 auf 221 Dollar. Die Begründung: KBW erwartet eine Erholung des Kryptohandels. Damit richtet sich der Blick auf eine mögliche Geschäftsbelebung – nicht auf die zuletzt ausgewiesene Gewinnhöhe.

Die Einschätzung steht für einen zentralen Streitpunkt unter Analysten: Wie schnell kann Coinbase die Schwäche im Handelsgeschäft überwinden? Während KBW auf eine Erholung setzt, rechnen andere Häuser mit einer langsameren Verbesserung. Die heutigen Kursgewinne lösen diesen Gegensatz nicht auf.

Zuversicht trifft auf sinkende Erlöse

Im dritten Quartal 2026 erzielte Coinbase einen Umsatz von 1,22 Milliarden Dollar. Das entsprach einem Rückgang von 35% gegenüber dem Vorjahr. Damit liefert das jüngste Geschäftsergebnis noch keinen Beleg für die von KBW erwartete Erholung.

Besonders deutlich zeigt sich die Belastung im Transaktionsgeschäft. Es bleibt für die Einschätzung der Aktie entscheidend, weil die schwächere Handelsaktivität unmittelbar auf die Erlöse durchschlägt. Zusätzliche Angebote verbreitern zwar die Einnahmebasis, haben den Rückgang aber bislang nicht ausgeglichen.

Die Transaktionserlöse sanken im Jahresvergleich um 44% auf 590,2 Millionen Dollar. Das Spot-Handelsvolumen lag zugleich 10% unter dem Vorquartal. Für eine nachhaltige Verbesserung müsste sich deshalb nicht nur die Stimmung gegenüber Kryptoaktien aufhellen, sondern auch das Kundengeschäft erholen.

Auch beim Gewinn lohnt die Unterscheidung zwischen dem ausgewiesenen Ergebnis und dem Ergebnis nach Bereinigungen. Bewertungsgewinne auf eigene Kryptoanlagen können den Nettogewinn erheblich beeinflussen. Sie beantworten jedoch nicht die Frage nach der Ertragskraft des Handelsgeschäfts.

Coinbase meldete einen Nettogewinn von 719 Millionen Dollar. Darin enthalten waren 715 Millionen Dollar Gewinne aus Krypto-Investitionen. Der bereinigte Nettogewinn belief sich auf 77,7 Millionen Dollar.

ARK kauft gegen die Skepsis

Einen Gegenpol zu den vorsichtigeren Analysten setzt ARK Invest mit Zukäufen. Der Investor stockte Coinbase am Freitag und gestern auf, während er zugleich Positionen zwischen verschiedenen Kryptoaktien umschichtete.

Über beide Handelstage kaufte ARK insgesamt 64.208 Coinbase-Aktien für rund 9 Millionen Dollar. Parallel erwarb der Investor Circle-Aktien und verkaufte Anteile an Bullish. Die Käufe dokumentieren eine konkrete Anlageentscheidung zugunsten von Coinbase, belegen aber keine dauerhafte Änderung der ARK-Strategie.

Die Skepsis auf Analystenseite bleibt erheblich. Morgan Stanley stufte Coinbase gestern von „Equal Weight“ auf „Underweight“ herab. Die Bank verweist auf schwächere Handels- und Umsatzaussichten sowie zusätzliche Unsicherheit nach dem Cyberangriff auf Binance.

Für 2027 senkte Morgan Stanley seine Umsatzprognose um 28% und die Prognose für das bereinigte EBITDA um 47%. Damit unterscheiden sich die Erwartungen deutlich von KBWs Hoffnung auf eine Erholung des Kryptohandels.

Entscheidend ist die operative Wende

Die Aktie gewinnt heute 8,9%. Diese Gegenbewegung fällt mit den ARK-Zukäufen und KBWs bestätigter positiver Empfehlung zusammen. Sie ist allerdings noch kein Nachweis dafür, dass sich die Geschäftsentwicklung bereits gedreht hat.

Neue Angebote wie Prognosemärkte und das Abonnementgeschäft liefern zusätzliche Erlösquellen. Für Anleger bleibt dennoch entscheidend, ob Coinbase wieder mehr Handelsaktivität in Umsatz umsetzen kann. Die Zahlen zum vierten Quartal 2026 werden im Februar 2027 erwartet. Sie dürften den nächsten wichtigen Prüfstein dafür liefern, ob KBWs Erholungserwartung trägt oder die vorsichtigeren Prognosen näher an der Geschäftsentwicklung liegen.