Ein rekordhoher Marktanteil, aber trotzdem tiefrote Zahlen: Bei Coinbase klafft im zweiten Quartal 2026 auseinander, was operativ gelingt und was am Ende unter dem Strich steht. Die Kryptobörse meldete einen Nettoverlust von 359,5 Millionen Dollar — bereits das dritte Minusquartal in Folge. Anleger reagierten enttäuscht, die Aktie gab im vorbörslichen Handel zeitweise um 4,70 Prozent auf 155,89 Dollar nach.
Der Umsatz sank auf 1,22 Milliarden Dollar und verfehlte die Analystenschätzung von rund 1,29 Milliarden Dollar deutlich. Zum Vergleich: Im ersten Quartal stand ein Fehlbetrag von 394,1 Millionen Dollar, im vierten Quartal 2025 waren es sogar 666,7 Millionen Dollar. Die Verlustserie zieht sich damit bereits über drei Quartale.
Handelsgeschäft bricht ein, Marktanteil wächst trotzdem
Ursache für den Rückgang ist vor allem das Handelsgeschäft. Die Transaktionserlöse fielen auf rund 599 Millionen Dollar und lagen damit spürbar unter der erwarteten Marke von 636 Millionen Dollar — ein Minus von 21 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als noch 764,3 Millionen Dollar in die Kassen flossen.
Der Grund dafür liegt im Gesamtmarkt: Das weltweite Krypto-Spothandelsvolumen brach im Quartalsvergleich um 25 Prozent ein, während die Kursschwankungen laut Unternehmensangaben auf ein mehrjähriges Tief fielen. Wer weniger handelt und dabei kaum volatile Ausschläge erlebt, füttert Coinbase seltener mit Gebühren.
Interessant wird es beim zweiten Blick: Coinbase hat sich trotz des schrumpfenden Gesamtmarktes ein größeres Stück vom Kuchen gesichert. Der weltweite Marktanteil am Handelsvolumen stieg auf ein Rekordhoch von 10,3 Prozent, nach 9,1 Prozent im Vorquartal. Auch das Abo- und Servicegeschäft — mit Zinserträgen aus dem Stablecoin USDC, Verwahrgebühren und dem Programm Coinbase One — verfehlte mit 555 Millionen Dollar die Erwartung von etwa 594 Millionen Dollar und schrumpfte um 5 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Stellenabbau soll Kosten drücken
Um die roten Zahlen einzudämmen, hatte Coinbase bereits im Mai einen Stellenabbau von rund 14 Prozent angekündigt. Die Restrukturierung schlug im Quartal mit 52,4 Millionen Dollar an Einmalkosten zu Buche, senkte die Belegschaft aber bereits von 4.988 auf 4.321 Beschäftigte. Das bereinigte EBITDA fiel dennoch auf 207,8 Millionen Dollar, nach 303,3 Millionen Dollar im Vorquartal — blieb damit aber das 14. Quartal in Folge positiv.
Mehrere Analysehäuser hatten ihre Kursziele bereits vor den Zahlen zurückgenommen. JPMorgan senkte Mitte Juli von 283 auf 196 Dollar, behielt aber die Einstufung Overweight. Citigroup kappte Ende Juli von 400 auf 235 Dollar und verwies auf ein schwierigeres Marktumfeld, hielt aber an der Kaufempfehlung fest.
Für das dritte Quartal rechnet Coinbase mit einem Abo- und Servicegeschäft zwischen 500 und 580 Millionen Dollar und einem weitgehend stabilen Kostenniveau, da die Einsparungen aus dem Mai erst jetzt vollständig greifen. Ob sich die Handelsvolumina bis dahin erholen, entscheidet darüber, ob die Verlustserie ein viertes Mal fortgesetzt wird.
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