Coinbase baut sein Angebot über den Kryptohandel hinaus aus und setzt auf eine stärkere Bindung seiner Kunden. Medienberichten zufolge umfasst der Ausbau Aktien, ETFs und zusätzliche Derivateangebote. Für Anleger spricht die breitere Aufstellung, sofern daraus verlässlichere Erlöse entstehen und die Abhängigkeit vom schwankenden Transaktionsgeschäft sinkt. Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, wie wichtig dieser Umbau ist.

Mehr Angebote in einem Konto

Mitte Juni stellte Coinbase den Handel mit US-Aktien und ETFs sowie Aktien- und Kryptooptionen vor. Zum Angebot gehören außerdem Derivate auf Unternehmen vor dem Börsengang, ein bei der SEC registrierter KI-Anlageberater und Depotüberträge.

Tokenisierte Aktien sollen die zugrunde liegenden Wertpapiere im Verhältnis 1:1 abbilden. Für den Ausbau des Derivategeschäfts übernahm Coinbase zudem Deribit für 2,9 Milliarden US-Dollar.

Gestern wurde außerdem über die Erweiterung des institutionellen Angebots um Deribit-Optionen und Perpetuals berichtet. Damit richtet Coinbase den Ausbau sowohl auf Privatkunden als auch auf institutionelle Anleger aus. Die Bündelung kann die Kundenbindung stärken, sofern Nutzer zusätzliche Finanzgeschäfte tatsächlich auf der Plattform abwickeln.

Der Wettbewerb verfolgt eine ähnliche Richtung: Auch Kraken, Binance, Bybit und Gemini integrieren Aktien in ihre Kryptoangebote. Coinbase konkurriert damit zunehmend um die Rolle eines umfassenden Finanzkontos.

Wiederkehrende Erlöse gewinnen an Gewicht

Im dritten Quartal 2026 entfielen 49% des Nettoumsatzes auf Abonnements und Dienstleistungen. Im Vorjahr waren es 41%. Der Segmentumsatz erreichte 570,2 Millionen US-Dollar.

Diese Verschiebung stützt die Diversifizierungsstrategie, sofern das Segment die Schwäche im klassischen Handel zunehmend auffangen kann. Besonders wichtig sind dabei Stablecoin-Erlöse und zahlende Abonnenten.

Der Stablecoin-Umsatz lag im dritten Quartal 2026 bei 306,9 Millionen US-Dollar. Die Zahl der Coinbase-One-Abonnenten stieg gegenüber dem Vorjahr um 24%. Der Umsatz je Abonnent war 3,5-mal so hoch wie bei anderen Kunden.

Für das gebündelte Angebot spricht damit die höhere Monetarisierung der Abokunden, solange Coinbase diese Kunden halten und für weitere Dienste gewinnen kann.

Schwaches Handelsgeschäft setzt den Maßstab

Der zuletzt gemeldete Quartalsumsatz betrug 1,22 Milliarden US-Dollar. Die Transaktionserlöse sanken gegenüber dem Vorjahr um 44% auf 590 Millionen US-Dollar.

Die Ausweitung des Angebots trifft somit auf ein deutlich schwächeres Kerngeschäft. Für Aktionäre entscheidet sich der Erfolg daran, ob zusätzliche Dienstleistungen den Rückgang der Handelserlöse ausreichend ausgleichen.

Morgan Stanley stufte Coinbase auf „Underweight“ herab und senkte das Kursziel von 258 auf 120 US-Dollar. Die Einschätzung setzt einen skeptischen Gegenpol zur Expansionsstrategie.

Zugleich erhöht das gebündelte Finanzkonto die Konzentration von Vermögen und Zugriffsmöglichkeiten auf einer Plattform. Für Kunden wird das zum Risiko, falls Kontosperrungen, Hackerangriffe oder eine Abwicklung den Zugang beeinträchtigen. Coinbase gewinnt durch die breitere Produktpalette daher vor allem dann an Attraktivität, wenn wachsende Serviceerlöse mit verlässlichem Betrieb und dauerhafter Kundenbindung zusammenkommen.