Coinbase will nicht länger „nur“ Krypto-Börse sein. Mit dem Start eines provisionsfreien Aktien- und ETF-Handels für alle US-Kunden schiebt das Unternehmen seine App in Richtung All-in-one-Finanzplattform. Doch wie viel Stabilität bringt dieser Schritt wirklich, wenn das Geschäft bisher stark am Krypto-Zyklus hing?
Vom Krypto-Dealer zur Multi-Asset-App
Der Kern der Ankündigung: US-Nutzer können jetzt in der Coinbase-App auch klassische Wertpapiere handeln – laut Unternehmen sind es über 8.000 in den USA gelistete Aktien und ETFs. Dazu kommen Bruchstücke ab 1 US-Dollar, „Instant Funding“ über Dollar oder den Stablecoin USDC sowie eine Anbindung an Yahoo Finance, die Recherche und Order direkt miteinander verknüpfen soll.
Auch die Handelslogik zielt klar auf Komfort und Frequenz: Gehandelt wird 24 Stunden am Tag an fünf Tagen pro Woche, und zwar ohne Kommission für berechtigte Wertpapiere. Technisch setzt Coinbase dabei auf Apex Fintech Solutions für Clearing, Verwahrung und Ausführung – Coinbase liefert die Oberfläche, Apex die Brokerage-Infrastruktur im Hintergrund.
Der strategische Hintergrund ist offensichtlich: Wer Aktien und ETFs in derselben App anbietet, macht sich weniger abhängig davon, ob Bitcoin & Co. gerade Rückenwind haben. Gleichzeitig verschärft Coinbase damit den Wettbewerb mit etablierten Neobrokern.
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Kurs, Analysten – und die offene Baustelle Profitabilität
An der Börse wurde der Schritt zunächst positiv aufgenommen. Auf Sicht von sieben Tagen liegt die Aktie 7,59% im Plus, seit Jahresbeginn aber weiterhin deutlich im Minus (-27,60%). Das unterstreicht: Der Markt sucht zwar nach neuen Wachstumstreibern, ist aber noch nicht überzeugt, dass sich die Schwankungen des Krypto-Geschäfts schnell aus dem Kursbild herauslösen.
Auch Analysten bleiben gespalten, wenn auch insgesamt eher konstruktiv. Bank of America senkte zuletzt zwar das Kursziel (bei unverändertem „Buy“), während Mizuho sein Ziel deutlich zurücknahm und auf „Neutral“ blieb – begründet mit schwächeren Bitcoin-Preisen und anhaltendem Druck im Krypto-Umfeld. Genau hier liegt die operative Achillesferse: Coinbase kann Rekordkennzahlen liefern, bleibt aber empfindlich gegenüber Handelslaune und Sondereffekten.
Das zeigte sich auch in den Zahlen: Für 2025 meldete Coinbase zwar ein Jahres-Nettoergebnis von 1,26 Mrd. US-Dollar, rutschte im vierten Quartal jedoch in einen Nettoverlust von 666,73 Mio. US-Dollar. Ein Treiber war ein 307 Mio. US-Dollar hoher Aufwand im Zusammenhang mit Datendiebstahl. Gleichzeitig signalisiert das Management Zuversicht über Aktienrückkäufe: In Summe wurden bis zum 10. Februar 2026 rund 1,7 Mrd. US-Dollar eingesetzt; zusätzlich steht ein weiterer, vom Board genehmigter Rahmen bereit.
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Regulierung als Risiko: Stablecoins und das GENIUS-Thema
Eine der wichtigsten Wachstumsquellen steht parallel unter Regulierungsbeobachtung. Stablecoin-bezogene Einnahmen machten 2025 laut Bericht knapp 19% des Gesamtumsatzes aus. Genau in diesem Bereich sorgt ein US-Regelungsvorschlag zur Umsetzung des GENIUS-Acts für Unsicherheit: In der Branche wird befürchtet, dass mögliche Einschränkungen ausgerechnet Programme treffen könnten, mit denen Plattformen Stablecoin-Rewards anbieten.
Coinbase positioniert sich dazu bereits politisch: Gegenüber dem US-Finanzministerium argumentierte das Unternehmen, ein mögliches Verbot von Stablecoin-Zinsen solle sich auf Emittenten beschränken – Plattformen, die nicht selbst emittieren, sollten weiterhin Zinsen anbieten dürfen.
Am Dienstag, 3. März 2026, spricht CFO Alesia Haas auf der Morgan-Stanley-TMT-Konferenz (Fireside Chat). Im Fokus dürften dort zwei Punkte stehen: erste Signale zur Nachfrage nach dem neuen Aktien-/ETF-Handel in den USA – und die Einordnung, wie stark ein härterer Stablecoin-Rahmen das wachsende Service-Geschäft treffen könnte.
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