Coinbase erweitert sein Angebot, während das Handelsgeschäft unter Druck steht. Für mich entscheidet sich die Attraktivität des Unternehmens deshalb an einer Frage: Können neue Angebote die Ertragsbasis spürbar verbreitern? Die am Freitag gestartete Kreditaufnahme gegen PAX Gold ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Überzeugend wird die Strategie aber erst, wenn solche Erweiterungen auch im bereinigten Ergebnis Gewicht bekommen.

Produktbreite muss Ertragskraft schaffen

Coinbase hat am Freitag die Aufnahme von USDC-Krediten gegen PAX Gold über Morpho auf Base gestartet. Das Unternehmen bezeichnet PAXG als ersten nicht kryptobasierten Sicherheitenwert für Coinbase Borrow. Ich halte diese Erweiterung für strategisch sinnvoll, sofern sie zusätzliche Nachfrage erschließt und damit die Abhängigkeit vom schwankenden Kryptohandel verringert.

Das Angebot erweitert die Nutzungsmöglichkeiten innerhalb des Coinbase-Ökosystems. Für Anleger liegt darin eine Chance: Kunden könnten zusätzliche Finanzgeschäfte über Coinbase abwickeln. Der wirtschaftliche Wert dieses Ansatzes hängt allerdings daran, ob aus breiterer Nutzung dauerhaft zusätzliche Erträge entstehen. Produktvielfalt verdient aus meiner Sicht erst dann einen Bewertungsaufschlag, wenn sie sich in den Geschäftszahlen niederschlägt.

Auch die am 28. Oktober angekündigte Verfügbarkeit von Ripples Stablecoin RLUSD auf Coinbase Prime, Coinbase Exchange und in der Privatkunden-App passt zu dieser Ausrichtung. Coinbase verbreitert damit den Zugang zu weiteren Angeboten. Für das Unternehmen spricht diese Entwicklung, sofern aus mehr Auswahl auch mehr wirtschaftlich relevante Aktivität wird.

Gerade diese Bedingung ist entscheidend. Ein wachsendes Angebot kann Kunden stärker binden und neue Nutzungsmöglichkeiten eröffnen. Für Anleger sollte der Maßstab deshalb die Ertragswirkung sein: Welche Erweiterungen tragen tatsächlich dazu bei, schwächere Phasen im Handelsgeschäft aufzufangen?

Die Gewinnqualität bleibt der Prüfstein

Am 29. Oktober meldete Coinbase für das dritte Quartal 2026 einen Nettogewinn von 719 Millionen $. Der bereinigte Nettogewinn betrug 78 Millionen $. Die große Differenz macht für mich die bereinigte Ertragsentwicklung zum wichtigeren Prüfstein für die nächste Phase des Unternehmens.

Wer die Strategie beurteilt, sollte daher besonders darauf achten, wie belastbar die Erträge aus dem erweiterten Angebot werden. Ein hoher ausgewiesener Gewinn spricht für Coinbase, sofern sich daraus auch eine nachhaltige wirtschaftliche Stärke ableiten lässt. Für diese Beurteilung verdient die bereinigte Ergebnisentwicklung besonderes Gewicht.

Das bereinigte EBITDA erreichte 333 Millionen $. Zugleich überschritten die Prognosemärkte nach Unternehmensangaben auf Jahresbasis hochgerechnete Erlöse von 200 Millionen $. Gerade die Prognosemärkte liefern damit einen konkreten Anhaltspunkt für die angestrebte Verbreiterung des Geschäfts.

Für mich ist das der stärkere Teil der Expansionsgeschichte: Hier steht neben dem Produktangebot bereits eine bezifferte Umsatzdimension. Das spricht für die Strategie, sofern sich diese Aktivität verstetigt und einen tragfähigen Ergebnisbeitrag liefert. Die Goldbesicherung muss ihren wirtschaftlichen Stellenwert dagegen erst noch entwickeln.

Der skeptische Maßstab ist berechtigt

Morgan Stanley stufte Coinbase am 2. November von „Equal-weight“ auf „Underweight“ herab und senkte das Kursziel von 258 $ auf 120 $. Analyst Michael Cyprys verwies auf schwache Handelsaktivität, einen weicheren Umsatzausblick und Unsicherheit nach dem Binance-Hack.

Diese Kritik trifft für mich den entscheidenden Punkt, solange das schwache Handelsumfeld die Ertragsaussichten belastet. Neue Angebote sprechen für Coinbase, wenn sie diese Belastung zunehmend ausgleichen können. Genau daran sollte sich der Erfolg der Expansion messen lassen.

Morgan Stanley reduzierte außerdem seine Umsatzprognose für 2027 um 28 % und die Schätzung für das bereinigte EBITDA um 47 %. Das sind Erwartungen des Analysehauses. Ihre Größenordnung unterstreicht jedoch, wie stark dessen Skepsis gegenüber der erwarteten Ergebnisentwicklung ausfällt.

Unterm Strich halte ich die strategische Richtung für plausibel, die Beweislast aber für hoch. Coinbase zeigt mit den Prognosemärkten einen bezifferten Fortschritt und erweitert mit goldbesicherten Krediten sein Angebot.

Eine überzeugendere Anlagegeschichte entsteht daraus für mich, sobald diese Breite auch eine belastbarere bereinigte Ertragsbasis schafft. Bis dahin wiegt die Schwäche des Handelsgeschäfts in meinem Urteil schwerer als die Zahl neuer Produkte.