Commerzbank hat am Montag eine Pfandbrief-Emission über 1 Milliarde Euro platziert und damit ein Signal gesetzt: Das Institut treibt seine Refinanzierung unabhängig vom Übernahmepoker mit UniCredit voran. Die Mortgage-Covered-Bond-Anleihe läuft bis zum 1. September 2031, trägt einen Kupon von 3,250% und wurde zu einem Kurs von 99,791 gepreist. Daraus ergibt sich eine Rendite von 3,296% für Investoren.

Die Platzierung fällt in eine Phase, in der die Machtverhältnisse bei Commerzbank neu geordnet werden. Vergangenen Sonntag hatte der Bund seinen verbliebenen Anteil an UniCredit verkauft – die Aktie legte seither um 3,8% zu. Parallel dazu zog Commerzbank Ende vergangener Woche zurückgekaufte eigene Aktien ein, was den rechnerischen Zugriff von UniCredit auf bis zu 49,65% der Anteile erhöhte, davon 3,36% weiterhin als Kaufoptionen.

Weidmann fordert Regelüberprüfung

Aufsichtsratschef Jens Weidmann brachte am Sonntag die politische Dimension der Übernahme auf den Punkt. Laut Reuters forderte er eine Überprüfung der deutschen Übernahmeregeln, weil UniCredit nach seiner Darstellung eine Kontrolle über Commerzbank ohne angemessene Prämie sichern konnte. Der Vorstoß zeigt, dass der Streit um faire Konditionen für Altaktionäre auch nach dem Ende des Tauschangebots nicht beigelegt ist.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Einerseits hat UniCredit mit rund 47,59% der Aktien beziehungsweise 49,65% der Stimmrechte bereits eine beherrschende Stellung erreicht. Andererseits laufen aufsichtsrechtliche Prüfungen weiter, insbesondere durch die EZB, die einen möglichen Beteiligungsausbau über 30% begutachtet. Die BaFin hatte UniCredit zuvor grünes Licht gegeben, mit dem Gebot fortzufahren.

Kostenprogramm und Kapitalrückgabe als operative Baustellen

Neben der Machtfrage arbeitet Commerzbank an der operativen Substanz. UniCredit-Chef Andrea Orcel verfolgt laut Reuters einen Kostenplan, der die Kostenbasis um 1,3 Milliarden Euro senken und die Kostenquote bis 2030 auf 37% der Erträge drücken soll. Erste Kontakte zwischen Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp über die Zukunft der Bank wurden bereits Anfang August als formeller Austausch im Kontext der Übernahmesituation beschrieben.

Commerzbank selbst hatte am 6. August Halbjahreszahlen samt Jahresausblick vorgelegt und einen Aktienrückkauf über 1,2 Milliarden Euro angekündigt – ein Zeichen, dass das Management trotz der Übernahmesituation eigene Kapitalrückgabe-Prioritäten setzt. Kurz darauf hob JPMorgan das Kursziel auf 38 Euro an, bestätigte aber die Einstufung „Neutral“.

Kurs nahe Jahreshoch

Die Aktie notiert aktuell bei 40,54 Euro und damit nur 1,1% unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 38,26 Euro liegt bei 5,9% – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Anstieg breite Zustimmung im Markt findet und nicht nur eine kurzfristige Reaktion auf einzelne Nachrichten ist. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 12% zu Buche.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich die aufsichtsrechtlichen Prüfungen zügig abschließen lassen und wie Berlin auf den vollzogenen Verkauf des Bundesanteils politisch reagiert. Die Refinanzierungsaktivität der Bank signalisiert derweil, dass der operative Betrieb unabhängig vom Ausgang der Übernahmefrage weiterläuft.