Die Commerzbank hat Anfang September einen weiteren Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro gestartet. Das Programm ist Teil der Kapitalrückgabe für das Geschäftsjahr 2026 und läuft seit dem 2. September, wie das Institut mitteilte. Damit setzt der Frankfurter Konzern seine Ausschüttungspolitik fort, während im Hintergrund weiter um die Zukunft der Bank gerungen wird.
Der Rückkauf steht auf solidem Fundament. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte die Commerzbank ihr operatives Ergebnis um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, im zweiten Quartal legte es um 17 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu.
Das Nettoergebnis erreichte im Halbjahr mit 1,8 Milliarden Euro einen Rekordwert, davon 898 Millionen Euro allein im zweiten Quartal. Die Erträge kletterten im Halbjahr um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro.
Auch die Effizienz hat sich verbessert: Die Cost-Income-Ratio inklusive Pflichtbeiträgen sank auf 52 Prozent nach 55 Prozent im Vorjahresquartal. Die Nettoeigenkapitalrendite lag bei starken 12,6 Prozent im Halbjahr, die CET1-Quote bei komfortablen 14,4 Prozent.
Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte die Bank ihre Ziele: Erträge von rund 13,2 Milliarden Euro, ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro und eine Nettoeigenkapitalrendite von etwa 12 Prozent. Der bereits von der EZB genehmigte neue Rückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro fügt sich in dieses Bild solider Kapitalausstattung ein.
Politisches Tauziehen überschattet operative Stärke
Während die Zahlen für sich sprechen, bleibt die strategische Ausrichtung der Bank umstritten. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein traf sich Anfang September mit UniCredit-Chef Andrea Orcel und forderte, dass Sitz und Vorstand der Commerzbank dauerhaft in Frankfurt verbleiben und das Institut als Aktiengesellschaft deutschen Rechts bestehen bleibt. Eine Übertragung des Firmenkundengeschäfts an die HypoVereinsbank lehnte Rhein ausdrücklich ab.
Der Übernahmepoker mit UniCredit gewinnt damit politisch eine neue Dimension, wie Marktbeobachter Anfang der Woche einordneten. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte bereits zuvor Orcel zu einem Gespräch ins Bundesfinanzministerium eingeladen, um die Position der Bundesregierung darzulegen.
Die Bundesregierung, die über einen Teil der Anteile verfügt, sucht damit weiter Einfluss auf den Ausgang zu nehmen, obwohl UniCredit bereits im Sommer über 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien im Rahmen ihres Angebots eingesammelt hatte.
Kurs nahe am Zehn-Jahres-Hoch
Der Aktienkurs spiegelt das Zusammenspiel aus starken operativen Zahlen und ungeklärter Übernahmefrage wider. Am Mittwoch schloss das Papier bei 41,96 Euro, ein Minus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vortag.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 16 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sogar von 29 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 43,12 Euro, erreicht Anfang September, fehlen der Aktie derzeit nur rund 2,7 Prozent.
Die Bank hat mit der Personalie Jennifer Sander, die zum 1. August die neue Chief Compliance Officer wurde, zudem organisatorisch nachjustiert. Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Operativ liefert die Commerzbank Rekordzahlen und einen großzügigen Rückkauf, während die politische Auseinandersetzung um Standort und Eigenständigkeit den mittelfristigen Ausblick weiter offenhält.
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