Die Commerzbank plant für das laufende Geschäftsjahr die bislang größte Kapitalrückgabe ihrer Historie. Ausgehend von einem Nettogewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro will das Institut rund 3,2 Milliarden Euro an die Aktionäre zurückgeben – erneut 100 Prozent des Nettoergebnisses. Der Dividendenanteil daran soll auf mindestens 50 Prozent steigen, den Rest deckt die Bank über Aktienrückkäufe ab.
Die Ankündigung fügt sich in eine Serie starker Nachrichten der vergangenen Wochen. Am vergangenen Donnerstag hatte die Commerzbank Rekordzahlen für das erste Halbjahr vorgelegt, seither hat die Aktie um 1,6 Prozent zugelegt. Am Freitag schloss das Papier bei 39,17 Euro, ein Plus von 1,61 Prozent auf Tagesbasis. Damit liegt der Kurs nur noch 1,71 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, das er am Donnerstag markiert hatte.
Operatives Geschäft trägt die Ausschüttungspläne
Die Basis für die geplante Kapitalrückgabe liefern die Halbjahreszahlen selbst. Das operative Ergebnis stieg im ersten Halbjahr um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, im zweiten Quartal legte es sogar um 17 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Das Nettoergebnis erreichte mit 1,8 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert, die Nettoeigenkapitalrendite kletterte auf 12,6 Prozent.
Getragen wurde die Entwicklung von einer breiten Ertragsbasis. Die Gesamterträge wuchsen im Halbjahr um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss legte um 8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu. Bemerkenswert ist der stabile Zinsüberschuss von 4,1 Milliarden Euro trotz der Zinssenkungen im laufenden Jahr. Gleichzeitig verbesserte die Bank ihre Kosteneffizienz: Die Cost-Income-Ratio inklusive Pflichtbeiträgen sank um rund 3 Prozentpunkte auf 53 Prozent, ohne Pflichtbeiträge liegt sie bereits bei 50 Prozent.
RBC bestätigt Kaufempfehlung
Die Analystin Anke Reingen von RBC Capital Markets bestätigte am Donnerstag ihre Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 43 Euro. Das liegt spürbar über dem aktuellen Kursniveau und signalisiert weiteres Aufwärtspotenzial, sollte sich die operative Stärke der Bank fortsetzen.
Untermauert wird das positive Bild durch mehrere Auszeichnungen der vergangenen Wochen. Bei den FINANCE Awards 2026 wurde die Commerzbank Ende Juli als beste Bank im deutschen Firmenkundengeschäft prämiert und sicherte sich insgesamt neun erste Plätze, unter anderem in den Kategorien Mittelstandsbank, Servicelevel und Digitalisierung. Zum neunten Mal in Folge seit 2018 kürte zudem das „€uro“-Magazin die Commerzbank zur „Besten Filialbank“, während die Tochter comdirect als „Beste Bank“ und „Beste Direktbank“ ausgezeichnet wurde. Im Brokerage-Geschäft von comdirect wickelten Kunden im ersten Halbjahr rund 21 Millionen Trades ab, 5 Prozent mehr als im bereits starken Vorjahreszeitraum.
Rückkauf läuft, Übernahmeprozess im Hintergrund
Parallel zur Dividendenpolitik treibt die Commerzbank ihr Rückkaufprogramm voran. Im Juli beantragte das Institut einen weiteren Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro. Die Genehmigung der Europäischen Zentralbank liegt bereits vor, die Zustimmung der Finanzagentur des Bundes steht noch aus.
Im Hintergrund bleibt die von UniCredit erwogene Übernahme präsent, die als Thema seit rund zwei Wochen die Aktie um 7,9 Prozent nach oben getrieben hat. Der italienische Konkurrent hält mittlerweile fast 48 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank, über Finanzinstrumente sind es weitere 11 Prozent. Die Bundesregierung bleibt mit rund 12,7 Prozent zweitgrößter Aktionär und hat wiederholt bekräftigt, ihren Anteil nicht im Rahmen des Angebots an UniCredit zu übertragen. Der Übernahmeantrag liegt inzwischen bei der Europäischen Zentralbank, die innerhalb von 60 Arbeitstagen entscheiden muss. Marktbeobachtern zufolge könnte UniCredit die Kontrolle über die Commerzbank bereits im Herbst übernehmen, im ungünstigeren Fall erst Anfang Dezember.
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