Die Bundesregierung könnte ihren verbliebenen Anteil an der Commerzbank doch noch an UniCredit abgeben. Medienberichten zufolge zeigt sich Berlin offen für einen Verkauf des 12,7-Prozent-Pakets, allerdings unter Bedingungen: Beide Institute müssten zuvor eine gemeinsame Strategie vorlegen, zudem müsse das Commerzbank-Management dem Vorgehen zustimmen. Das wäre eine deutliche Weichenstellung in einem Übernahmepoker, der die Aktie seit Monaten begleitet.

UniCredit hält bereits 26,77 Prozent der Anteile direkt. Über ein inzwischen beendetes Übernahmeangebot, das von Mai bis Juli lief, sowie über Derivate hat sich das italienische Institut nach Medienberichten Zugriff auf mehr als 44 Prozent der Stimmrechte gesichert. Käme das Bundespaket hinzu, würde UniCredit rechnerisch die Mehrheitsschwelle überschreiten.

Selbst ohne den Bund gilt die Machtfrage in Frankfurt bereits als geklärt: Auf Hauptversammlungen sind die Präsenzquoten traditionell gering, sodass UniCredit schon mit den aktuellen Anteilen faktisch das Zünglein an der Waage spielen könnte. Das hat in der vergangenen Woche die interne Machtposition des Commerzbank-Vorstands infrage gestellt.

Kreditkarten-Wechsel als operatives Randthema

Neben der Übernahmefrage arbeitet die Commerzbank an einem eher technischen, aber kundenrelevanten Projekt: Das Kreditkartenangebot wird schrittweise von Mastercard auf Visa umgestellt. Betroffene Kunden werden derzeit über die notwendige Zustimmung zum Wechsel des Zahlungsdienstleisters informiert. Für das Übernahmeszenario spielt das keine Rolle, zeigt aber, dass der laufende Geschäftsbetrieb trotz der Fusionsdebatte weiterläuft.

Fondsarm mit eigenen US-Wetten

Der institutionelle Investmentarm der Bank hat im zweiten Quartal in 13F-Meldungen neue Positionen offengelegt: Aufgebaut wurden Bestände bei Kraft Heinz, Oracle und Honeywell Aerospace, bei Oracle mit einem Volumen von rund 30,6 Millionen US-Dollar. Diese Engagements betreffen die Vermögensverwaltung der Commerzbank und sind vom Übernahmegeschehen um die Bank selbst unabhängig.

Bewertung nach starkem Zwischenspurt

Die Commerzbank-Aktie schloss am Dienstag bei 39,03 Euro, ein Tagesminus von 1,1 Prozent. Über 30 Tage steht dennoch ein Plus von 6,3 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt das Papier 8,1 Prozent im Plus.

Zum 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, erreicht am 13. August, fehlen aktuell 2,7 Prozent – die Aktie bewegt sich damit weiterhin nahe ihrem Jahreshoch, während vom Zwölf-Monats-Tief bei 28,90 Euro bereits ein Abstand von 35 Prozent besteht.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Operativ liefert die Bank, wie die zurückliegenden Rekordzahlen zeigten. Strategisch hängt die Aktie jedoch am Verlauf der Übernahmegespräche mit UniCredit – und an der Frage, ob der Bund seinen Anteil tatsächlich abgibt.

Ein Termin, der die nächste offizielle Standortbestimmung liefert, steht bereits fest: Am 5. November veröffentlicht die Commerzbank ihre Quartalsmitteilung für das dritte Quartal 2026.