Die Commerzbank steckt in einer ungewöhnlichen Gemengelage: Während die Aktie nahe ihrem 52-Wochen-Hoch notiert, sorgt eine strafrechtliche Altlast für Schlagzeilen. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatte bereits Ende August Anklage gegen vier frühere Commerzbank-Mitarbeiter wegen Cum-Ex-Aktiendeals erhoben.

Der mutmaßliche Steuerschaden aus den Geschäften von 2008 liegt bei mehr als 20 Millionen Euro. Den Angeklagten wird vorgeworfen, die Transaktionen gemeinsam entwickelt, genehmigt und umgesetzt zu haben. Die Commerzbank selbst betont, als Institut nicht beteiligt gewesen zu sein.

Alte Geschichte, neue Aufmerksamkeit

Auch wenn die Anklage kein aktuelles Ereignis mehr ist, bleibt das Thema für Anleger relevant, weil es die Reputationsrisiken des Instituts ins Bewusstsein zurückholt – gerade in einer Phase, in der die Bank im Zentrum der Übernahmediskussion mit UniCredit steht. Ein juristisches Nachspiel aus der Finanzkrise trifft damit auf eine Aktie, die operativ und kursmäßig deutlich besser dasteht als noch vor einem Jahr.

Der Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro, der am Freitag vergangener Woche startete, prägt dabei weiterhin das Kursbild. Die EZB hatte das Programm bereits genehmigt, auch die Zustimmung der Deutschen Finanzagentur und der Vorstandsbeschluss lagen vor dem Start vor. Seither hat die Aktie rund 1,5 Prozent zugelegt – ein Signal, dass der Markt den Kapitalrückfluss an Aktionäre positiv aufnimmt.

Kurs nahe Rekordniveau, Bewertung anspruchsvoll

Der Schlusskurs von 42,45 Euro am Dienstag liegt nur 1,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 43,12 Euro, das erst am 8. September markiert wurde. Auf Jahressicht hat die Aktie 18 Prozent gewonnen, binnen zwölf Monaten sogar 29 Prozent.

Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt 18 Prozent – ein Hinweis darauf, wie kräftig der Aufwärtstrend inzwischen ist. Mit einem RSI von 69 nähert sich das Papier zudem einer technisch überkauften Zone.

JPMorgan hatte das Kursziel am 8. September von 38 auf 39 Euro angehoben, das Rating aber bei „neutral“ belassen – die Analysten sehen demnach trotz der Kursrally noch keinen zusätzlichen Kaufanreiz oberhalb der aktuellen Notierung.

UniCredit-Frage bleibt im Hintergrund präsent

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hatte am Montag vergangener Woche im Rahmen der Handelsblatt-Bankentagung in Frankfurt Gespräche mit dem italienischen Großaktionär öffentlich bestätigt. Laut Bloomberg signalisierte Orlopp zudem, sie werde ihren Posten aufgeben, sollte unter einem von UniCredit kontrollierten Aufsichtsrat kein Vertrauensverhältnis entstehen oder die Strategie abweichen.

Für Mitte September ist zudem ein Treffen zwischen UniCredit-Chef Andrea Orcel und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil in Berlin angesetzt – ein Termin, der zeigt, dass die politische Dimension der Übernahmefrage weiterhin ungelöst ist.

Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Kapitalrückführung und Analystenlob stützen den Kurs, während die Cum-Ex-Anklage und die ungeklärte UniCredit-Frage als Unsicherheitsfaktoren im Hintergrund bleiben.