Vier ehemalige Commerzbank-Mitarbeiter müssen sich vor Gericht verantworten. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft wirft ihnen schwere Steuerhinterziehung vor. Der Kurs reagiert darauf am Freitag kaum – er steigt sogar um 1,7 Prozent auf 39,07 Euro.
Cum-Ex-Geschäfte aus dem Jahr 2008
Die Anklage betrifft Cum-Ex-Geschäfte aus der Finanzkrisen-Ära. Die vier Beschuldigten sollen diese 2008 entwickelt, genehmigt und umgesetzt haben. Der mutmaßliche Steuerschaden liegt bei mehr als 20 Millionen Euro.
Die Commerzbank selbst ist an dem Verfahren nicht beteiligt. Die Anklage richtet sich gegen einzelne Ex-Mitarbeiter, nicht gegen die Bank als Institution. Für Anleger dürfte das Verfahren deshalb kein unmittelbares finanzielles Risiko darstellen – auch wenn das Thema Cum-Ex die öffentliche Wahrnehmung des Instituts weiter begleitet.
Kurs bleibt stabil
Der Markt zeigt sich von der Meldung unbeeindruckt. Mit 39,07 Euro liegt die Aktie nur noch 2,6 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro vom 13. August. Diese Stabilität überrascht wenig: Die eigentliche Kursgeschichte der Commerzbank schreibt derzeit ohnehin ein anderes Thema.
UniCredit hält die Zügel in der Hand
Der italienische Großaktionär UniCredit hat nach Abschluss seines Umtauschangebots im Juli einen Anteil von 47,59 Prozent an der Commerzbank erreicht. Rechnet man die eigenen Aktien der deutschen Bank ein, entspricht das einem Stimmrechtsanteil von 49,65 Prozent. Damit liegt die faktische Kontrolle praktisch bei UniCredit.
Aufsichtsratschef Jens Weidmann räumte Ende Juli ein, dass die Machtverhältnisse klar seien. Er zeigte sich gesprächsbereit. Im August folgten die ersten formellen Gespräche zwischen UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp.
Diese schwebende Situation erklärt auch das erhöhte Schwankungsniveau der Aktie. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 28 Prozent – ein Wert, der die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Übernahme widerspiegelt.
Rechtlich stehen Cum-Ex-Anklage und Übernahmeprozess getrennt nebeneinander. Für den Aktienkurs dürfte in den kommenden Wochen vor allem eines zählen: der Fortgang der Gespräche zwischen Orcel und Orlopp.
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