Während die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit ihrem Abschluss näherkommt, sorgt am Donnerstag eine juristische Altlast für neue Unsicherheit. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt erhob Anklage gegen vier ehemalige Commerzbank-Mitarbeiter wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit sogenannten Cum-Ex-Aktiengeschäften.
Die Vorwürfe richten sich gegen frühere Beschäftigte, nicht gegen die aktuelle Führung – dennoch fällt die Anklage in eine sensible Phase des Übernahmeprozesses.
Cum-Ex-Vorwürfe treffen auf laufenden Kontrollwechsel
Parallel zur strafrechtlichen Aufarbeitung rückte UniCredit durch die Einziehung zuletzt zurückgekaufter Commerzbank-Aktien näher an eine mögliche Aktienmehrheit heran. Der italienischen Bank steht damit rechnerisch Zugriff auf bis zu 49,65 Prozent der Commerzbank-Anteile offen.
Die Cum-Ex-Anklage berührt zwar nicht direkt die Übernahmestruktur, doch sie erinnert Anleger daran, dass die Frankfurter Bank auch Jahre nach den fraglichen Geschäften mit juristischen Nachwirkungen zu kämpfen hat – ein Faktor, den UniCredit bei der Integration einpreisen dürfte.
Der Kontrollwechsel selbst nimmt derweil konkrete Formen an. Erst gestern hatte die Bundesregierung Bereitschaft signalisiert, ihre verbliebene Beteiligung von 12,7 Prozent an UniCredit zu veräußern, sofern beide Häuser sich auf eine gemeinsame Strategie einigen.
Seither hat die Aktie um 1,2 Prozent zugelegt. Vor gut einer Woche hatte zudem die EZB nach einem internen Dokument Tendenzen erkennen lassen, die Übernahme zu genehmigen – der Kurs gab in der Folge um 0,6 Prozent nach, bevor er sich wieder erholte.
Rückkaufprogramm stützt die Aktie
Commerzbank selbst lieferte Anfang August mit den Halbjahreszahlen Rückenwind: Zum 30. Juni kündigte das Institut einen Rückkauf eigener Aktien im Volumen von 1,2 Milliarden Euro an. Zugleich signalisierte die Bank Gesprächsbereitschaft mit UniCredit und sprach von „konstruktiven Gesprächen“ über eine mögliche Zusammenarbeit.
Diese Kombination aus Kapitalrückführung und Annäherung an den italienischen Großaktionär dürfte mit dazu beigetragen haben, dass die Aktie seit Jahresbeginn um 9,6 Prozent zugelegt hat.
Am Montag notiert das Papier bei 39,56 Euro und damit 1,4 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das erst vor wenigen Tagen erreicht wurde.
Zum 50-Tage-Durchschnitt von 38,09 Euro besteht ein Abstand von 3,9 Prozent nach oben – ein Zeichen, dass der übergeordnete Aufwärtstrend trotz der juristischen Nebengeräusche intakt bleibt.
Ungeklärte Eigentümerfrage bleibt zentraler Unsicherheitsfaktor
Die Berichtslage rund um die mögliche Übernahme durch UniCredit bleibt weiterhin der zentrale Treiber für die Unsicherheit über Eigentümerstruktur und langfristige Strategie der Bank.
Erste formelle Gespräche zwischen beiden Instituten drehten sich bereits im August darum, wie ein Wechsel der regulatorischen Kontrolle über die Frankfurter Bank organisiert werden könnte. Anfang August war UniCredit zudem der 30-Prozent-Schwelle bei der Commerzbank nähergekommen, was ein entsprechendes Verfahren bei der EZB auslöste.
Für Anleger verdichtet sich damit ein Bild aus zwei Ebenen: Auf der einen Seite ein fortschreitender, von Regulatoren zunehmend wohlwollend begleiteter Übernahmeprozess mit stützenden Kapitalmaßnahmen.
Auf der anderen Seite juristische Altlasten aus der Vergangenheit, die zeigen, dass die vollständige Aufarbeitung früherer Geschäftspraktiken noch nicht abgeschlossen ist. Wie sich beide Stränge auf die finale Ausgestaltung der Übernahme auswirken, dürfte sich in den kommenden Wochen weiter herauskristallisieren.
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