Die Übernahmefantasie ist bei der Commerzbank inzwischen zu einem entscheidenden Kurstreiber geworden. Nach einem Kursanstieg von rund 9,9 % innerhalb von drei Wochen stellt sich zunehmend die Frage, wie viel der jüngsten Bewertung durch die operative Stärke der Bank und wie viel durch die Aussicht auf einen möglichen Kontrollwechsel durch UniCredit getragen wird. Diese Unterscheidung dürfte für die weitere Entwicklung entscheidend werden. Am Freitag verlor die Aktie minimal 0,12 Euro. Dies waren nur -0,30 % auf einen Kurs von 39,74 Euro. Auch das ist noch herausragend hoch.
Commerzbank und der Kampf um Anerkennung der eigenen Stärke
Denn die vorläufig positiven Signale der EZB zur möglichen Übernahme bedeuten noch keinen schnellen Abschluss. Zwar sieht die Zentralbank nach den vorliegenden Berichten offenbar keine ausreichenden Gründe für ein Veto gegen UniCredits Kontrollbeteiligung, doch zwischen einer regulatorischen Genehmigung und einer tatsächlichen Integration könnte ein längerer und komplizierter Prozess liegen. Kritische Anmerkungen der BaFin gelten zudem weiterhin als Unsicherheitsfaktor, auch wenn sie nach den bisherigen Berichten offenbar nicht für eine Blockade ausreichen.
Dabei bewegt sich die Commerzbank in unmittelbarer Nähe ihres 52-Wochen-Hochs. Gleichzeitig liegen einige vorsichtigere Analystenschätzungen kaum noch über dem aktuellen Niveau. Citi stuft die Aktie mit „Hold“ und einem Kursziel von 40 Euro ein, JPMorgan bleibt bei „Hold“ und sieht 38 Euro. Das begrenzt zumindest aus Sicht dieser Häuser das kurzfristige Potenzial.
Auf der anderen Seite gibt es weiterhin deutlich optimistischere Stimmen. Die DZ Bank erhöhte ihren fairen Wert auf 46 Euro und bestätigte ihre Kaufempfehlung. RBC Capital Markets stuft die Aktie mit „Outperform“ ein und nennt ein Kursziel von 43 Euro. Die unterschiedlichen Einschätzungen zeigen, wie stark die Bewertung inzwischen vom gewählten Szenario abhängt: Bleibt die Commerzbank eigenständig und setzt ihre operative Stärke fort, sprechen Rekordgewinne und hohe Kapitalrückführungen für weiteres Potenzial. Kommt es dagegen zu einer langen Phase regulatorischer und politischer Unsicherheit, könnte die im Kurs enthaltene Übernahmeprämie teilweise wieder unter Druck geraten.
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