Bei der Commerzbank verdichten sich die Hinweise auf eine mögliche strategische Einigung mit UniCredit. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat UniCredit zu Gesprächen eingeladen, während sich auch die Bundesregierung zuletzt offenbar grundsätzlich offen für einen Verkauf ihrer verbliebenen 12,7%-Beteiligung zeigte. Voraussetzung wäre allerdings eine gemeinsame Lösung zwischen den beteiligten Seiten.

Die Börsen reagieren derzeit kaum. Die Notierungen waren gestern Abend mit etwas über 39 Euro auf Wochensicht fast unverändert in das Wochenende gegangen.

Commerzbank: Die Verhandlungen kommen

Damit könnte sich der bislang öffentlich ausgetragene Konflikt zunehmend in Richtung konkreter Verhandlungen verschieben. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und UniCredit-CEO Andrea Orcel sind bereits persönlich zusammengekommen. Im Mittelpunkt standen laut den vorliegenden Informationen Bilanz-, Rechts- und Risikofragen sowie Themen, die für die regulatorische Prüfung eines möglichen Kontrollwechsels relevant sind.
UniCredit hat ihre Position inzwischen massiv ausgebaut. Der italienische Konzern hält 47,6 % der Aktien und verfügt auch über fast 50 % der Stimmrechte.

Zudem ist der Übernahmeprozess in eine entscheidende regulatorische Phase eingetreten. Die BaFin hat UniCredits Antrag auf eine Mehrheitsbeteiligung als vollständig eingestuft und an die EZB weitergeleitet. Dort beginnt nun die Prüfung, für die grundsätzlich 60 Arbeitstage vorgesehen sind und die um bis zu 20 weitere Arbeitstage verlängert werden kann. Eine Entscheidung wird im Herbst beziehungsweise im vierten Quartal 2026 erwartet.

Die Ausgangsposition der Commerzbank ist dabei wirtschaftlich ausgesprochen stark. Im ersten Halbjahr stieg das operative Ergebnis um 14 % auf 2,7 Milliarden Euro, während der Nettogewinn um 40 % auf den Rekordwert von 1,8 Milliarden Euro zulegte. Die Erträge erhöhten sich um 7 % auf 6,5 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss wuchs um 8 %. Für das Gesamtjahr peilt die Bank weiterhin mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn an.

Zusätzlich plant die Commerzbank einen Aktienrückkauf von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Analysten gehen noch immer davon aus, dass die Aktie steigen wird.