JPMorgan hat die Commerzbank am Freitag erneut mit „Neutral“ bewertet und das Kursziel bei 39 Euro belassen. Damit steht der Aussicht auf eine mögliche Kontrollübernahme durch UniCredit weiterhin eine zurückhaltende Analysteneinschätzung gegenüber. Die regulatorischen Fortschritte reichen für das Analysehaus bislang nicht aus, um eine Kaufempfehlung auszusprechen.
Für Anleger sind damit zwei Fragen zu trennen: Wie weit kann UniCredit beim Beteiligungsausbau gehen? Und welche Bewertung rechtfertigt die Commerzbank-Aktie? Eine Genehmigung für den Erwerber beantwortet die zweite Frage nicht automatisch.
Kursziele ohne Kaufempfehlung
Auch die Deutsche Bank blieb am Donnerstag bei ihrer Halteempfehlung. Ihr Kursziel beträgt 42 Euro. Ein weiteres Analysehaus hob sein Ziel am 13. Oktober auf 41 Euro an, beließ die Einstufung aber bei einer erwarteten branchenüblichen Entwicklung.
Die jüngsten Bewertungen zeigen damit keine einheitliche Bewegung hin zu größerem Optimismus. Einer angehobenen Zielmarke stehen unveränderte Einschätzungen gegenüber. Bemerkenswert ist vor allem die gemeinsame Zurückhaltung bei den Empfehlungen: Höhere Kursziele und eine positive Anlageempfehlung sind nicht dasselbe.
Vorbörslich notiert die Aktie bei 37,61 € und damit unter den genannten Zielmarken. Diese Differenz beschreibt allerdings nur das Verhältnis zwischen Börsenkurs und Analystenzielen. Sie ist weder eine Zusage für Kursgewinne noch eine Aussage über den Ausgang einer möglichen Übernahme.
Kontrolle bleibt an Bedingungen geknüpft
UniCredit zufolge erlaubt die EZB-Genehmigung einen Ausbau der Commerzbank-Beteiligung über 30 % hinaus ohne Obergrenze. Das italienische Institut erwartet den Abschluss der verbleibenden regulatorischen Verfahren und Bedingungen gegen Jahresende. Anschließend könnte es rund 50 % der Stimmrechte halten und die Kontrolle übernehmen.
Entscheidend ist der Vorbehalt: Die Freigabe ist nicht mit einer bereits vollzogenen Kontrollübernahme gleichzusetzen. Die Tagesschau berichtete am Freitag über den Schritt in Richtung einer möglichen Mehrheitsübernahme. Die Commerzbank wollte den Vorgang dem Bericht zufolge nicht kommentieren.
Rückkäufe und Geschäftszahlen als Gegenstück
Neben der Beteiligungsfrage steht die eigene Kapitalpolitik der Commerzbank. Im vor rund zwei Wochen fortgesetzten Aktienrückkauf erwarb die Bank innerhalb einer Berichtswoche 2.987.942 eigene Aktien. Insgesamt erreichten die Rückkäufe bis zum Ende dieser Berichtswoche 11.114.083 Aktien.
Das Rückkaufprogramm und der mögliche Kontrollwechsel sind unterschiedliche Vorgänge. Für die Bewertung sollten Anleger deshalb weder die Kapitalmaßnahme als Übernahmesignal noch die regulatorische Freigabe als Beleg für bessere Geschäftsergebnisse verstehen.
Der nächste angekündigte Unternehmenstermin ist die Veröffentlichung des Ergebnisses für das dritte Quartal 2026 am 5. November. Dann rückt neben der Eigentümerfrage die operative Entwicklung wieder unmittelbar in den Mittelpunkt. Bis dahin liefern die jüngsten Analystenaktionen vor allem eines: ein zurückhaltendes Bewertungsbild trotz der Übernahmefantasie.
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