JPMorgan hat das Kursziel für die Commerzbank von 38 auf 39 Euro angehoben, die Einstufung aber bei „Neutral“ belassen. Analyst Kian Abouhossein begründet die höhere Zielmarke mit gestiegenen Prognosen für das bereinigte Ergebnis je Aktie 2026 und 2027 – getrieben von steigenden Zinsen im Euroraum.
Dieselbe Begründung lieferte der Analyst am Vortag auch für sein angehobenes Modell zur Deutschen Bank, die JPMorgan weiterhin mit „Overweight“ und einem Kursziel von 41 Euro führt.
Die zurückhaltende Einstufung trotz höherem Kursziel fällt auf, denn die Commerzbank-Aktie hat zuletzt einen deutlichen Lauf hingelegt. Nach dem Start des Aktienrückkaufprogramms am vergangenen Freitag zog der Kurs bis Montag um 2,0 Prozent an. Mit einem Schlusskurs von 42,67 Euro notiert das Papier klar über der neuen JPMorgan-Zielmarke – ein Signal, dass der Markt die Aktie bereits höher bewertet, als es der Analyst für gerechtfertigt hält.
Zinsphantasie trifft auf ambitionierte Bewertung
Für Abouhossein sprechen die makroökonomischen Rahmenbedingungen für europäische Bankaktien: Steigende Zinsüberschüsse im Euroraum verbessern die Ertragsaussichten der Institute strukturell.
Genau dieses Argument nutzt JPMorgan auch bei der UBS, deren Kursziel das Analysehaus von 46 auf 50 Schweizer Franken anhob und die zugleich auf die „Analyst Focus List“ sowie ins „Top Picks Portfolio“ aufgenommen wurde – während die Commerzbank bei „Neutral“ verharrt.
Der Unterschied in der Einstufung deutet darauf hin, dass JPMorgan die Commerzbank-Aktie nach der jüngsten Kursentwicklung als fair bewertet einstuft, während bei UBS und Deutscher Bank noch Aufwärtspotenzial gesehen wird.
Anleger, die zuletzt von der politischen Nachrichtenlage rund um die Übernahmegespräche mit UniCredit und vom Rückkaufprogramm profitiert haben, erhalten mit der Analyse damit ein Signal zur Vorsicht: Die fundamentale Bewertung hat mit der Kursrally nicht in gleichem Tempo Schritt gehalten.
Was die Einstufung für Anleger bedeutet
Mit einer Marktkapitalisierung von 45,46 Milliarden Euro zählt die Commerzbank mittlerweile zu den größeren europäischen Bankwerten. Die „Neutral“-Einstufung von JPMorgan signalisiert, dass das Analysehaus trotz verbesserter Ertragsprognosen keinen zusätzlichen kurzfristigen Kurstreiber mehr sieht – die jüngste Rally habe die fundamentale Bewertung bereits eingeholt.
Für die weitere Kursentwicklung dürften damit andere Faktoren entscheidender werden als die Zinsphantasie allein, insbesondere der Fortgang der Gespräche mit UniCredit und die Wirkung des laufenden Aktienrückkaufs auf die Aktienstruktur.
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