Was für ein Schlag: Gestern gab die Aktie der Commerzbank gleich -5,4 % nach. Die Notierungen kamen auf einen Kurs von nur noch 36,35 Euro. Offenbar steht die Unicredit „kurz vor der Übernahme“, wie die Tagesschau berichtete. Natürlich:
Der Machtkampf um die Commerzbank ist auch Wochen nach dem Ablauf des Übernahmeangebots längst nicht entschieden. Tatsächlich hat UniCredit ihre Position als größter Anteilseigner weiter ausgebaut, doch der geringe Zuspruch unabhängiger Investoren zeigt, dass ein vollständiger Zusammenschluss keineswegs als ausgemachte Sache gilt. Damit rückt zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, welche Seite ihre Argumente in den kommenden Monaten überzeugender untermauern kann.
Das Rennen ist noch offen
Rechnerisch verfügt UniCredit inzwischen über 47,59 % der Stimmrechte, wobei sich dieser Anteil aus direkt gehaltenen Aktien und Finanzinstrumenten zusammensetzt. Das eigentliche Übernahmeangebot fand jedoch außerhalb des Großaktionärskreises kaum Anklang: Weniger als 2 % der unabhängigen institutionellen und privaten Anleger nahmen das Angebot an. Für Vorstandschefin Bettina Orlopp ist dies ein Signal, dass der eingeschlagene Kurs der Eigenständigkeit weiterhin Rückhalt besitzt. Auch Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte sich im Vorfeld kritisch zu den Übernahmeplänen geäußert und den Aktionären empfohlen, ihre Anteile nicht anzudienen.
Während die Eigentümerstruktur weiter im Fokus steht, wächst zugleich das Interesse institutioneller Investoren. Jefferies Financial Group überschritt zuletzt die Marke von 10 % und etablierte sich damit als bedeutender Aktionär.
Fast schon passend dazu bekräftigten mehrere Analysten ihre grundsätzlich positive Einschätzung der Bank. So sehen unter anderem RBC und die Deutsche Bank weiteres Kurspotenzial, während JPMorgan eine vorsichtigere Haltung einnimmt. Diese unterschiedlichen Bewertungen verdeutlichen, dass die operative Entwicklung inzwischen stärker in die Analyse einfließt als noch zu Beginn der Übernahmedebatte.
Gleichzeitig sind die Erwartungen des Marktes inzwischen deutlich gestiegen, sodass selbst solide Geschäftszahlen allein nicht zwangsläufig für neue Impulse sorgen müssen.
Genau deshalb kommt den Quartalszahlen am 6. August besondere Bedeutung zu. Anleger werden nicht nur auf den Zinsüberschuss, die Risikovorsorge und das angehobene Gewinnziel achten. Ebenso entscheidend dürfte sein, ob die Commerzbank ihren eigenständigen Wachstumskurs weiter glaubhaft untermauern kann. Je überzeugender die operative Entwicklung ausfällt, desto schwieriger könnte es für UniCredit werden, ihre Übernahmepläne ohne zusätzliche Zugeständnisse voranzutreiben.
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