Bei einer möglichen Übernahme der Commerzbank bleiben politische Bedingungen und die Wettbewerbsprüfung entscheidend. Die Zustimmung der EU-Kommission steht noch aus, berichtete die Tagesschau gestern.

Zugleich konkretisierte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Positionen der Bundesregierung: den Standort Frankfurt, Beschäftigteninteressen und die Finanzierung des Mittelstands. Die angestrebte Kontrolle durch UniCredit ist damit noch nicht vollzogen.

Berlin verhandelt über die Bedingungen

Klingbeil bezeichnete die Gespräche mit UniCredit gestern als konstruktiv. Nach seinem Gespräch mit UniCredit-Chef Andrea Orcel seien die Teams im Austausch, berichtete dpa-AFX. Im Mittelpunkt stehen damit nicht allein die Eigentumsverhältnisse. Die Bundesregierung bringt auch die Folgen einer möglichen Übernahme für Beschäftigte, Standort und Kreditversorgung in die Gespräche ein.

Die genannten Positionen sind allerdings noch keine vereinbarten Übernahmebedingungen. Aus Klingbeils Äußerungen geht ein laufender Austausch hervor, nicht der Abschluss einer Verständigung. Für Anleger ist diese Unterscheidung wesentlich: Konstruktive Gespräche bedeuten noch keine Einigung über die konkrete Ausgestaltung.

UniCredit hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass die EZB den Erwerb von mehr als 30 % der Commerzbank sowie weitere Erhöhungen ohne Obergrenze genehmigt habe. Die Bank erwartet, die verbleibenden regulatorischen Schritte und Angebotsbedingungen bis Ende 2026 abzuschließen. Anschließend könnte sie rund 50 % der Stimmrechte halten und die Kontrolle übernehmen.

Dieser Zeitplan bleibt eine Erwartung von UniCredit. Die ausstehende Wettbewerbsfreigabe ist davon zu unterscheiden. Die Commerzbank selbst äußerte sich laut Tagesschau nicht zur EZB-Genehmigung.

Quartalszahlen liefern den operativen Maßstab

Neben den Übernahmebedingungen rückt die Geschäftsentwicklung in den Blick. Am 5. November veröffentlicht die Commerzbank ihre Zahlen für das dritte Quartal 2026. Dieser Termin liefert einen eigenen Maßstab für die Bewertung der Bank, unabhängig vom Fortgang der Gespräche mit UniCredit.

JPMorgan beließ die Einstufung gestern auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 39 Euro. Analyst Kian Abouhossein erhöhte seine Schätzungen für 2027 und 2028 leicht.

Die vorsichtige Einstufung verbindet sich somit mit etwas höheren Erwartungen an die künftige Entwicklung. Eine Kaufempfehlung leitete das Analysehaus daraus nicht ab.

Deutsche Bank Research hatte am Donnerstag die Einstufung „Hold“ und das Kursziel von 42 Euro bestätigt. Analyst Benjamin Goy erwartete solide Ergebnisse und besonders gute Dynamik beim Zins- und Provisionsüberschuss.

Für Commerzbank-Anleger stehen damit zwei unterschiedliche Prüfsteine nebeneinander: Die Quartalszahlen müssen die operativen Erwartungen unterlegen. Bei der möglichen Übernahme zählen dagegen die noch ausstehende Genehmigung und die Bedingungen einer Verständigung. Die EZB-Freigabe allein beantwortet diese Fragen nicht.