Die Commerzbank beginnt heute mit einem neuen Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro. Der Rückkauf läuft ab dem heutigen Freitag bis spätestens zum 10. Februar 2027, die erworbenen Aktien sollen anschließend eingezogen werden.

Die rechtliche Grundlage bildet eine Ermächtigung der Hauptversammlung vom 20. Mai, die einen Rückkauf von bis zu 108.084.709 Aktien erlaubt. Nötige Genehmigungen von EZB und Finanzagentur liegen bereits vor.

Der Kapitalrückgabe ist Teil eines größeren Plans: Für das Geschäftsjahr 2026 will die Bank insgesamt rund 3,2 Milliarden Euro an ihre Aktionäre zurückgeben.

Vorstandschefin Bettina Orlopp betonte am Donnerstag: „Unsere Aktionärinnen und Aktionäre können darauf vertrauen, dass wir unsere Zusagen einhalten.“ Die Aktie reagierte auf die Nachricht mit deutlichen Gewinnen und schloss gestern bei 41,67 Euro – ein Plus von 3,1 Prozent und nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 41,83 Euro.

UniCredit drängt auf Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile

Der Rückkauf fällt in eine Phase, in der sich die Übernahmefrage rund um die Commerzbank zuspitzt. UniCredit hat sich nach Angaben aus dem politischen Umfeld mittlerweile Zugriff auf fast die Hälfte der Commerzbank-Anteile gesichert.

Am Donnerstag drängte Orlopp öffentlich auf eine gemeinsame Strategie mit dem italienischen Institut und warnte ausdrücklich vor einer übereilten Integration, die Wert vernichten könnte. Zuvor hatte sie bereits direkte Gespräche mit UniCredit bestätigt.

Die Politik mischt sich zunehmend ein. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein traf sich am Mittwoch mit UniCredit-Chef Andrea Orcel und formulierte klare Bedingungen: Sitz und Vorstand der Bank müssten in Frankfurt bleiben, das Institut solle eine Aktiengesellschaft deutschen Rechts bleiben, und das Firmenkundengeschäft dürfe nicht an die UniCredit-Tochter HypoVereinsbank übertragen werden.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat Orcel für den 14. September zu einem Gespräch nach Berlin eingeladen. Der Bund selbst hält gut 12 Prozent an der Commerzbank und ist damit unmittelbar an der Frage beteiligt, wie es mit dem Institut weitergeht.

Anleger zwischen Kapitalrückgabe und Übernahmepoker

Für Anleger ergibt sich damit ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite liefert die Bank operativ das, was sie verspricht – ein wiederholter, groß dimensionierter Rückkauf, der die Kapitalrückgabepolitik unterstreicht.

Auf der anderen Seite bleibt offen, welche Rolle UniCredit künftig spielen wird und wie stark die deutsche Politik den italienischen Konzern bei seinen Plänen einschränken kann. Orcel selbst rechnet Berichten zufolge mit Milliardeneinsparungen und Stellenabbau im Fall einer engeren Verzahnung der beiden Institute.

Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein: Mit dem Berlin-Termin am 14. September steht ein konkreter Termin im Kalender, der zeigen könnte, wie weit sich Politik und UniCredit inzwischen angenähert haben. Bis dahin bleibt der laufende Rückkauf das greifbarste Signal an die Aktionäre – unabhängig davon, wie das Ringen um die Zukunft der Bank ausgeht.