Die Commerzbank liefert Rekordgewinne, startet ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm und verbessert ihre Profitabilität. Dennoch dreht sich derzeit fast alles um einen möglichen Machtwechsel. UniCredit hat sich technisch auf 49,65 % der Stimmrechte angenähert und damit die entscheidende 50-%-Schwelle unmittelbar vor Augen.
Bemerkenswert ist, dass UniCredit dafür keine zusätzlichen Commerzbank-Aktien erwerben musste. Auslöser war die Einziehung eigener Aktien durch die Commerzbank. Zuvor hatte das Institut 4,14 % der eigenen Papiere zurückgekauft. Nach deren Einziehung sank die Zahl der gesamten Stimmrechte, wodurch sich UniCredits relativer Anteil automatisch von 47,59 % auf 49,65 % erhöhte. Davon entfallen 46,29 % auf direkt gehaltene Aktien und 3,36 % auf Finanzinstrumente.
Die Börsen zeigen sich derzeit auf hohem Niveau gespannt. Die Aktie konnte sich gestern auf 38,56 Euro schieben. Dies war indes nur ein kleiner Sprung um 0,1 %.
Commerzbank: Selbst stark
Während der Übernahmepoker damit an Intensität gewinnt, liefert die Commerzbank selbst starke Zahlen. Das operative Ergebnis stieg im ersten Halbjahr um 14 % auf 2,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb mit 1,8 Milliarden Euro so viel Nettogewinn wie nie zuvor. Besonders wichtig: Der Zinsüberschuss blieb trotz sinkender Zinsen nahezu stabil. Die Bank kündigte zudem ein weiteres Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1,2 Milliarden Euro an.
Damit entsteht eine ungewöhnliche Situation für Anleger. Die Aktie verfügt einerseits über eine eigenständige fundamentale Story: hohe Ertragskraft, Rekordgewinn und geplante Ausschüttungen. Andererseits könnte der weitere Kurs zunehmend davon abhängen, unter welchen Bedingungen UniCredit die Kontrolle ausbauen will.
Die regulatorische Seite ist bereits ein gutes Stück vorangekommen, nachdem die EZB dem Übernahmevorhaben zugestimmt hat. Politisch bleibt die Lage komplizierter. Die Bundesregierung hält weiterhin rund 12,7 % der Commerzbank und ihre Position ist für den weiteren Verlauf von großer Bedeutung. Gleichzeitig haben mit Andrea Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp bereits erste formelle Gespräche begonnen. Nun hat Chefaufseher Weidmann von der Regierung gefordert, die Verkäufe der Staatsanteile auszusetzen.
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