Die Commerzbank hat am heutigen Donnerstag das beste erste Halbjahr ihrer jüngeren Geschichte vorgelegt – und nutzt die starken Zahlen als Basis für Gespräche mit ihrem Großaktionär UniCredit. Der Nettogewinn im zweiten Quartal kletterte auf 898 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie die 462 Millionen Euro im Vorjahresquartal und deutlich über der Analystenerwartung von 845 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr insgesamt weist die Bank einen Nettogewinn von 1,8 Milliarden Euro aus, ein Plus von 40 Prozent und ein Rekordwert.
Rekordhalbjahr über alle Sparten
Das operative Ergebnis der Commerzbank stieg im ersten Halbjahr um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, die Erträge legten um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu. Der Provisionsüberschuss wuchs um 8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, während der Zinsüberschuss mit 4,1 Milliarden Euro stabil blieb. Die Eigenkapitalrendite erreichte 12,6 Prozent und liegt damit über dem eigenen Jahresziel von 12 Prozent. Die Aufwand-Ertrags-Relation verbesserte sich auf rund 53 Prozent, die harte Kernkapitalquote (CET1) lag zum Halbjahr bei 14,4 Prozent. Für das Gesamtjahr bestätigte das Institut seine Prognose: Der Nettogewinn soll mindestens 3,4 Milliarden Euro erreichen, die Erträge rund 13,2 Milliarden Euro. Bis 2030 peilt die Bank im Rahmen ihrer Strategie eine Eigenkapitalrendite von 21 Prozent und einen Nettogewinn von 5,9 Milliarden Euro an.
Trotz der starken operativen Entwicklung reagierten die Kurse an diesem Tag uneinheitlich – ein Zeichen dafür, dass die Aufmerksamkeit der Anleger vor allem dem Machtkampf um die Zukunft der Bank gilt.
Machtkampf mit UniCredit spitzt sich zu
Der italienische Wettbewerber UniCredit hält nach eigenen Angaben 44,37 Prozent des Kapitals direkt, zusammen mit Optionen auf weitere 3,22 Prozent kommt der Mailänder Konzern auf 47,59 Prozent – und rückt damit nahe an die Mehrheitsschwelle. Ein reguläres Übernahmeangebot, das die Commerzbank mit rund 31 Euro pro Aktie bewertete, wurde von den übrigen Aktionären kaum angenommen; die Beteiligung blieb bei unter 2 Prozent. Der Bund, der rund 12 Prozent an der Commerzbank hält, hat seine bisherige Zurückhaltung gegenüber einer Annäherung aufgegeben.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp reagierte mit einer klaren Botschaft an Belegschaft und Kapitalmarkt: Sie kündigte konstruktive Gespräche mit UniCredit an und sprach von einem „klaren Gestaltungsauftrag“ für beide Seiten. Ihre Kernaussage: „Auch wenn die UniCredit über eine Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung verfügt, kann sie über wesentliche Strukturmaßnahmen nicht allein entscheiden.“ Sie zeigte sich zuversichtlich, „Schritt für Schritt eine gemeinsame Basis bei Governance und Geschäftsmodell finden“ zu können, betonte aber, die bisherigen Vorschläge von UniCredit basierten auf unvollständigen Informationen und bergen erhebliche Umsetzungsrisiken. Ein gemeinsamer Ansatz könne dennoch Wert schaffen, so Orlopp – auch wenn die Eigenständigkeit der Bank dabei auf dem Spiel stehe. UniCredit plant laut Berichten, ab 2027 rund 7000 Stellen zu streichen. Die BaFin hat den entsprechenden Antrag inzwischen an die Europäische Zentralbank weitergeleitet, eine Entscheidung wird binnen 60 Tagen erwartet.
Kapitalrückgabe läuft weiter
Parallel zum Führungsstreit hält die Commerzbank an ihrer Ausschüttungspolitik fest. Die Europäische Zentralbank genehmigte ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro, Teil einer für das Geschäftsjahr geplanten Kapitalrückführung von insgesamt rund 3,2 Milliarden Euro. Für Anleger ist das ein Signal, dass die Bank trotz der ungeklärten Eigentümerfrage an ihrer Zusage festhält, überschüssiges Kapital an die Aktionäre zurückzugeben.
Aktie nahe am Jahreshoch
Der Kurs der Commerzbank notiert aktuell bei 39,24 Euro und damit nur 1,53 Prozent unter dem am heutigen Tag markierten 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro. Allein in den vergangenen sieben Handelstagen hat die Aktie um 5,40 Prozent zugelegt. Die Marktkapitalisierung der Bank liegt bei rund 42,5 Milliarden Euro. Anleger dürften nun genau verfolgen, wie sich die angekündigten Gespräche zwischen Orlopp und UniCredit konkretisieren – und ob sich daraus in den kommenden Monaten eine Einigung über Governance und Geschäftsmodell ergibt.
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