Der Übernahmepoker um die Commerzbank bekommt eine neue Dimension. Nicht mehr die Annahmequote steht im Mittelpunkt — sondern die Frage, ob UniCredit die Transaktion regulatorisch und kapitalseitig überhaupt stemmen kann.

Was eine Vollkonsolidierung kosten würde

Autonomous Research hat die Kapitalfolgen einer vollständigen Übernahme durchgerechnet. Das Ergebnis: Eine Vollkonsolidierung würde bei UniCredit eine CET-1-Belastung von 6,5 bis 7,0 Milliarden Euro auslösen — rund 2,25 Prozentpunkte. Der Bruttoeffekt liegt laut den Analysten bei knapp 9 Milliarden Euro.

Entlastung könnte der sogenannte Danish Compromise bringen. Für das dritte Quartal erwarten die Analysten daraus einen regulatorischen Vorteil von rund 75 Basispunkten. Das würde die Belastung spürbar dämpfen — eliminieren würde es sie nicht.

Der Grund für den Sprung in der Kapitalbewertung: Sobald UniCredit die Kontrolle über die Commerzbank übernimmt, fällt die Beteiligung aus der Kategorie Finanzinvestment heraus. Die risikogewichteten Aktiva der Commerzbank wandern dann vollständig in den regulatorischen Konsolidierungskreis von UniCredit.

Commerzbank zweifelt an UniCredits Zahlen

Parallel dazu liefern sich beide Seiten einen Deutungsstreit über die bisherige Annahmequote. UniCredit hatte nach Ende der regulären Frist am 16. Juni eine Quote von 12,51 Prozent gemeldet. Zusammen mit bereits gehaltenen Aktien von 26,77 Prozent und Instrumenten mit Lieferanspruch über 3,22 Prozent kommt UniCredit auf 42,50 Prozent — nach Einziehung eigener Commerzbank-Aktien sogar auf 44,33 Prozent.

Die Commerzbank widerspricht der Darstellung, institutionelle Investoren hätten das Angebot breit unterstützt. Laut Reuters hat die Bank erklärt, dass institutionelle Investoren bislang nur 1,29 Prozent angedient haben. Auf Privatanleger entfallen rund 0,05 Prozent. Den Rest sieht die Bank im Zusammenhang mit Derivategeschäften von UniCredit mit Banken, die dadurch zur Andienung veranlasst wurden.

Die Commerzbank hat die BaFin um eine Untersuchung gebeten. Die jüngsten UniCredit-Zahlen seien aus Sicht der Bank ohne zusätzliche Erläuterungen irreführend.

EZB und zwei Termine im Juli

Nach Ende der verlängerten Annahmefrist beginnt die Abstimmung mit der Europäischen Zentralbank. Die EZB prüft dann Kontrollfrage, neuen Konsolidierungskreis und die Eigenmittelbehandlung der Transaktion. Das ist der eigentliche Prüfstein — nicht die Annahmequote allein.

Der Zeitplan ist klar: Die verlängerte Annahmefrist läuft bis zum 3. Juli 2026. Das finale Ergebnis soll am 8. Juli 2026 veröffentlicht werden.

Die Commerzbank-Aktie notiert bei 37,48 Euro — rund 3,5 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro, aber noch immer knapp zehn Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Der Markt preist die Übernahmesituation weiterhin ein. Nach dem 8. Juli dürfte die Kapitalfrage bei der EZB zum bestimmenden Faktor werden.