Im Übernahmepoker um die Commerzbank beginnt die nächste Phase. Die Aktie notierte zuletzt bei 37,94 Euro und gab auf Tagesbasis heute -1,11 % nach. Während der Kurs damit kaum auf die jüngsten Entwicklungen reagiert, richtet sich der Blick auf die gesetzliche Nachfrist des UniCredit-Angebots, die noch bis zum 3. Juli läuft.

Der Hintergrund ist das Ergebnis der ersten Annahmeperiode. Nach Ablauf der regulären Frist am 16. Juni waren rund 141 Millionen Commerzbank-Aktien angedient worden. Das entspricht 12,51 % des Grundkapitals. Damit blieb die unmittelbare Resonanz auf das Angebot überschaubar, obwohl UniCredit bereits seit Monaten versucht, ihren Einfluss auf das Frankfurter Institut auszubauen.

Commerzbank: Der Poker läuft schon längst

Die Börse bewertet die Situation bislang gelassen. Auf Wochensicht legte die Commerzbank-Aktie um 4,83 % zu. Über drei Monate ergibt sich sogar ein Plus von 26,51 %. Die Börsen sind also gelassen und deutlich stärker als viele andere Werte aus dem europäischen Bankensektor.

Besonders bemerkenswert bleibt die Haltung des Managements. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären weiterhin ausdrücklich, das Angebot der UniCredit nicht anzunehmen. Nach Auffassung der Bank spiegelt die Offerte weder die aktuelle Ertragskraft noch die Perspektiven der eigenständigen Strategie angemessen wider. Diese Ablehnung wurde in mehreren Unternehmensmitteilungen der vergangenen Wochen erneut bekräftigt.

Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte Anfang Juni durch Aussagen der Commerzbank zur Zusammensetzung der bisherigen Annahmequote. Das Institut erklärte, keinen institutionellen Investor identifiziert zu haben, der seine Aktien angedient habe. Gleichzeitig wurden einzelne Transaktionen öffentlich hinterfragt und entsprechende Informationen an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht weitergeleitet.

UniCredit verweist dagegen auf ihre inzwischen deutlich größere Gesamtposition. Neben direkten Beteiligungen von rund 26,77 % nutzt die italienische Großbank weitere Finanzinstrumente und Derivatstrukturen, die zusätzlichen wirtschaftlichen Einfluss ermöglichen. Damit geht es längst nicht mehr nur um die offiziell angedienten Aktien.

Analysten bleiben trotz der Übernahmedebatte überwiegend zuversichtlich. Der Kurs könne noch etwas steigen!