Wenige Tage vor der nächsten Zahlenvorlage rückt bei der Commerzbank ein Thema in den Vordergrund: die Kapitalrückgabe an die Aktionäre. Mehrere Analysehäuser rechnen mit einer Aktualisierung der Ausschüttungspolitik. Die Aktie notiert aktuell bei 37,42 Euro, ein Plus von 1,96 Prozent gegenüber dem Vortag.

RBC bestätigt die Einstufung „Outperform“ mit Kursziel 43 Euro. Die Analystin erwartet, dass die Commerzbank ihre Jahresziele und den Ausblick bis 2030 bekräftigt. Zusätzlich rechnet sie mit neuen Informationen zur Kapitalausschüttung.

Die Deutsche Bank sieht das ähnlich. Sie erwartet ein kräftiges Plus beim Ergebnis vor Rückstellungen, getrieben von hohen Zinseinnahmen. Zudem rechnet sie mit einem weiteren Aktienrückkaufprogramm – dem siebten in Folge. Offiziell bestätigt ist das bislang nicht. Es handelt sich um eine Erwartung der Analysten vor der Zahlenvorlage.

Die entscheidende Frage

Im Zentrum steht die Kapitalquote. Kann die Bank sie komfortabel über der Rückkaufschwelle halten? Und lässt sich die im Frühjahr angehobene Jahresprognose bestätigen?

Bereits im ersten Quartal 2026 hob die Commerzbank ihre Prognose an. Der erwartete Nettogewinn für das Gesamtjahr stieg von über 3,2 Milliarden Euro auf mindestens 3,4 Milliarden Euro. Beim Risikoergebnis peilt die Bank weiterhin rund minus 850 Millionen Euro an, bei der harten Kernkapitalquote (CET1) mehr als 14 Prozent. Ob dieses Polster reicht, um neben der Dividende zusätzliches Kapital für Rückkäufe freizusetzen, dürfte die kommenden Wochen bestimmen.

Bullisches Szenario

Für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends spricht zunächst die operative Stärke. Im ersten Quartal 2026 erzielte die Bank einen Nettogewinn von 913 Millionen Euro. Das lag über dem Vorjahreswert von 834 Millionen Euro und übertraf den Analystenkonsens von 868 Millionen Euro deutlich. Auch das operative Ergebnis stieg – von 1,23 Milliarden auf 1,36 Milliarden Euro – und lag damit über der Konsensschätzung von 1,32 Milliarden Euro.

Hinzu kommt die Erfolgsbilanz früherer Rückkaufprogramme. Erst im März schloss die Bank ihren sechsten Aktienrückkauf ab. Volumen: 524 Millionen Euro, fast 15,7 Millionen Aktien zu einem Durchschnittspreis von rund 33,45 Euro.

Auch die Charttechnik unterstützt das positive Bild. Der Kurs liegt knapp 8 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Das spricht für einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend.

Bärisches Szenario

Ein Teil der positiven Erwartungen dürfte bereits im Kurs stecken. Die Aktie liegt derzeit 4,49 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das erst am 14. Juli erreicht wurde. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von 3,43 Prozent zu Buche – ein Signal für zunehmende Nervosität vor der Zahlenvorlage.

Nicht alle Häuser teilen den Optimismus von RBC und Deutsche Bank uneingeschränkt. JPMorgan belässt die Einstufung bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 37 Euro. Grund: Eine Aktualisierung des Bewertungsmodells brachte nur geringfügige Änderungen bei den Gewinnprognosen für 2026 bis 2028. Das Kursziel entspricht exakt dem aktuellen Kurs. Nennenswertes Aufwärtspotenzial signalisiert JPMorgan damit nicht.

Der RSI von 49,6 zeigt eine neutrale Ausgangslage – keineswegs überkauft, aber auch ohne klare Richtung. Das deutet auf Unentschlossenheit der Marktteilnehmer hin. Bleibt die von mehreren Häusern erwartete Ausweitung der Kapitalrückgabe aus oder fällt sie geringer aus als eingepreist, dürfte der jüngste Rücksetzer vom Hoch nicht die letzte Korrektur gewesen sein.

Ausblick

Zwei Szenarien stehen sich gegenüber. Bleibt die Kernkapitalquote komfortabel über der Rückkaufschwelle und enttäuscht das Zinsgeschäft nicht, spricht mehr für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends – Richtung des bisherigen Hochs bei 39,18 Euro. Verfehlt die Bank hingegen die von RBC und Deutsche Bank erwartete Bestätigung der 2030-Ziele, oder bleibt eine Neuigkeit zur Kapitalausschüttung aus, dürfte die Aktie eher zum JPMorgan-Kursziel von 37 Euro tendieren.

Der nächste konkrete Katalysator ist die anstehende Vorlage der Halbjahres- beziehungsweise Zweitquartalszahlen. Ein genauer Termin ist bislang nicht offiziell bestätigt. Bis dahin bleibt die Frage nach der Kapitalrückgabe der zentrale Treiber für die Aktie.