Scotiabank hat das Kursziel für Constellation Energy am 7. Oktober von 441 $ auf 355 $ gesenkt. Analyst Andrew Weisel behielt seine Kaufempfehlung bei. Damit fällt seine Bewertung zurückhaltender aus, obwohl Constellation kurz zuvor langfristige Stromvereinbarungen mit Google und Amazon angekündigt hatte.

Für Anleger stehen somit zwei Entwicklungen nebeneinander: ein reduziertes Kursziel und vertraglich vereinbarte Stromlieferungen, die zusätzliche Kernkraftkapazitäten unterstützen sollen.

Scotiabank bleibt positiv, senkt aber das Ziel

Die Anpassung ist keine Herabstufung der Empfehlung. Weisel empfiehlt Constellation weiterhin zum Kauf, setzt die Zielmarke jedoch niedriger an. Die positive Einschätzung und die Kurszielsenkung müssen deshalb getrennt betrachtet werden: Das Votum bleibt bestehen, während der Analyst seine Bewertung nach unten korrigiert.

Die Unternehmensmeldungen betreffen dagegen langfristige Liefervereinbarungen und Investitionen. Sie beschreiben konkrete Projekte für bestehende Anlagen und zusätzliche Kapazität. Eine Kaufempfehlung ist eine Bewertung der Aktie; die angekündigten Verträge sind operative Entwicklungen. Beides ergibt nicht automatisch dieselbe Aussage über den angemessenen Aktienkurs.

Google vereinbart Ausbau und Bestandslieferungen

Constellation und Google kündigten am 6. Oktober einen Stromabnahmevertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren an. Er soll 890 MW neue Kernkraftkapazität im PJM-Netz unterstützen.

Der Ausbau ist mit Investitionen in die Aufrüstung bestehender Constellation-Anlagen verbunden. Die Vereinbarung richtet sich damit nicht ausschließlich auf die Abnahme bereits verfügbarer Strommengen, sondern unterstützt auch zusätzliche Kapazitäten.

Für diese Aufrüstungen sind Investitionen von mehr als 4,3 Milliarden $ an elf Constellation-Einheiten vorgesehen. Die Unternehmen vereinbarten außerdem einen separaten Vertrag für Lieferungen aus dem bestehenden Anlagenbestand im PJM-Netz.

Dieser zweite Vertrag ergänzt das Ausbauvorhaben um langfristige Versorgung aus vorhandenen Kapazitäten. Er hat eine Laufzeit von 15 Jahren und umfasst 2.700 MW. Die beiden Vereinbarungen unterscheiden sich somit in ihrer Laufzeit und darin, ob sie neue Kapazität unterstützen oder Strom aus dem Bestand beziehen.

Amazon-Vertrag ergänzt die Investitionsperspektive

Bereits am 30. September hatten Constellation und Amazon einen Stromabnahme- und Versorgungvertrag über 20 Jahre angekündigt. Er betrifft Lieferungen aus Calvert Cliffs.

Auch diese Vereinbarung verbindet vorhandene Kapazität mit einem Ausbau. Sie umfasst 690 MW, darunter etwa 190 MW zusätzliche Kernkraftkapazität. Nach Angaben von Constellation unterstützt der Vertrag Investitionen von mehr als 3 Milliarden $.

Die beiden Kundenvereinbarungen geben damit konkrete Anhaltspunkte für Constellations Investitionsvorhaben. Scotiabanks jüngste Entscheidung setzt daneben ein zurückhaltenderes Bewertungssignal. Die langfristigen Verträge stehen einer niedrigeren Kurszielmarke gegenüber – nicht einer aufgegebenen Kaufempfehlung.