CoreWeave hat mit der Vorlage seiner Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 die massiven Ambitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) verdeutlicht. Ein sprunghafter Anstieg des Auftragsbestands auf rund 104 Milliarden US-Dollar unterstreicht die enorme Nachfrage nach spezialisierter Rechenleistung.

Gleichzeitig thematisiert das Unternehmen in seinen offiziellen Unterlagen erstmals die erheblichen Risiken, die mit der engen Verknüpfung an den Chip-Giganten Nvidia einhergehen.

Umsatzsprung und gewaltiger Auftragsbestand

Das Unternehmen konnte seinen Umsatz im zweiten Quartal auf 2,58 Milliarden US-Dollar steigern, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Zuwachs von 112 Prozent entspricht.

Dieser Wachstumskurs wird vor allem durch den massiven Backlog getrieben, der laut Medienberichten nun die Marke von 103,7 Milliarden US-Dollar erreicht hat. Dies markiert eine Steigerung von 245 Prozent gegenüber dem Vorjahr und verdeutlicht, wie langfristig Kunden ihre Kapazitäten bei dem Cloud-Provider sichern.

Trotz des rasanten Erlöswachstums verbuchte CoreWeave einen GAAP-Nettoverlust von 626 Millionen US-Dollar. Die hohen Investitionskosten für den Ausbau der Infrastruktur belasten das Ergebnis kurzfristig erheblich. Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert das Management einen Umsatz zwischen 12,4 und 13,2 Milliarden US-Dollar, während die Investitionsausgaben (Capex) auf eine Spanne von 35 bis 39 Milliarden US-Dollar taxiert werden.

Anleger reagierten positiv auf die Expansionspläne und die Umsatzdynamik. Die Aktie, die an der Börse gestern bei 92,30 Euro aus dem Handel ging, konnte seit Jahresbeginn bereits um 44 Prozent zulegen. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens wird derzeit mit rund 41,67 Milliarden Euro bewertet.

Die Abhängigkeit von Nvidia als strategisches Risiko

In einem aktuellen Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC wies CoreWeave explizit auf die Risiken hin, die aus der exklusiven Versorgung durch Nvidia resultieren.

Der Chiphersteller hält nicht nur einen Anteil von 10 Prozent an CoreWeave, sondern liefert derzeit sämtliche Grafikprozessoren (GPUs) für die Rechenzentren des Unternehmens. Ein erzwungener Wechsel auf alternative Anbieter würde laut Unternehmensangaben zu massiven zeitlichen und finanziellen Belastungen führen.

Gleichzeitig baut CoreWeave seine physische Präsenz weiter aus. Die aktive Leistung der Rechenzentren stieg im abgelaufenen Quartal auf 1,5 Gigawatt, wobei bereits 3,7 Gigawatt vertraglich gebunden sind. Um dieses Wachstum zu finanzieren, sicherte sich das Unternehmen zuletzt einen neuen Kredit in Höhe von 2,60 Milliarden US-Dollar.

Analysten heben die Kursziele an

Die jüngsten Zahlen und die Prognosen für das dritte Quartal, in dem ein Umsatz von bis zu 3,60 Milliarden US-Dollar erwartet wird, stießen bei Analysten auf Wohlwollen. Brett Knoblauch von Cantor Fitzgerald bestätigte seine Einstufung mit „Overweight“ und hob das Kursziel von zuvor 167 US-Dollar auf nun 178 US-Dollar an. Auch die Experten der Bank of America (BofA) zeigen sich mit einem Ziel von 140 US-Dollar optimistisch.

Parallel dazu treibt das Unternehmen die internationale Expansion voran. Gemeinsam mit Partnern wie Dell und Nvidia plant CoreWeave den Aufbau einer großen KI-Fabrik in Armenien.

Das Projekt soll bis Ende 2027 eine Leistung von 300 Megawatt erreichen und mit über 70.000 modernen Nvidia-GPUs der Generationen Rubin und Blackwell ausgestattet werden. Als erster prominenter Kunde für diesen Standort wurde der Suchmaschinen-Entwickler Perplexity genannt.