Die Expansion im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) treibt den Cloud-Spezialisten CoreWeave zu strategisch bedeutsamen Partnerschaften, während der Kapitalmarkt das Unternehmen gleichzeitig mit einer strikteren Risikobewertung konfrontiert. Trotz neuer Großaufträge und einer Kooperation mit dem Verteidigungsdienstleister Leidos steht die Aktie unter erheblichem Druck. Am Freitag verzeichnete das Papier einen Schlusskurs von 62,51 € und markiert damit eine negative 30-Tage-Entwicklung von -17,00 %.
Strategische Allianz für nationale Sicherheit
CoreWeave und das US-Unternehmen Leidos haben eine Zusammenarbeit angekündigt, um spezialisierte KI-Kapazitäten für US-Geheimdienste und das Verteidigungsministerium bereitzustellen. In dieser Kooperation übernimmt Leidos die Missionsintegration, während CoreWeave seine KI-native Plattform in speziell akkreditierten Rechenzentren zur Verfügung stellt. Ziel ist die Bereitstellung souveräner Cloud-Dienste für klassifizierte Einsätze, die unter anderem die Analyse von Geheimdienstdaten, Cyber-Sicherheitsanwendungen und die Erzeugung synthetischer Daten umfassen.
Parallel zu diesen Fortschritten im Behördengeschäft konnte sich das Unternehmen eine weitreichende Vereinbarung mit Jane Street sichern. Diese umfasst nicht nur die Bereitstellung von KI-Computing-Infrastruktur im Wert von 6 Milliarden US-Dollar, sondern auch eine zusätzliche Eigenkapitalinvestition in Höhe von einer Milliarde US-Dollar. Dennoch notiert der Titel aktuell weit unter seinem 52-Wochen-Hoch von 126,50 €, das am 12. August 2025 erreicht wurde.
Finanzielle Belastungen und steigende Zinskosten
Die hohen Investitionen in den Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten spiegeln sich in einer komplexen Verschuldungssituation wider. Medienberichten zufolge haben sich die Bedingungen für die Fremdkapitalaufnahme verschlechtert. Für einen Kredit über 2,6 Milliarden US-Dollar zahlt CoreWeave demnach einen Aufschlag von 5,5 Prozentpunkten über dem Referenzzins, was die jährlichen Zinskosten um etwa 30 Millionen US-Dollar erhöht. Zudem signalisieren Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) mit einem Stand von über 855 Basispunkten eine Skepsis am Anleihemarkt bezüglich der langfristigen Solvenz.
Im ersten Quartal meldete das Unternehmen einen Umsatz von 2,08 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von über 111 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Gleichzeitig wurde jedoch ein Nettoverlust von 740 Millionen US-Dollar ausgewiesen. Die Schulden-Eigenkapital-Quote liegt bei 3,68, was die hohe Hebelwirkung des Geschäftsmodells unterstreicht.
Institutionelle Bewegungen und Analystenstimmen
Trotz der bilanziellen Herausforderungen bauen einige institutionelle Anleger ihre Positionen aus. Die Bank of America erhöhte ihren Anteil im ersten Quartal um 13,1 Prozent auf nunmehr rund 5,65 Millionen Aktien. Auch das California State Teachers Retirement System meldete Zukäufe. Demgegenüber stehen jedoch massive Insiderverkäufe: Innerhalb von 90 Tagen veräußerten Insider Aktien im Wert von insgesamt 1,76 Milliarden US-Dollar, wobei auch CEO Michael Intrator Anteile verkaufte.
Analysten bewerten die Aussichten des Unternehmens weiterhin überwiegend positiv. Die Experten von Cantor Fitzgerald bestätigen das Rating „Overweight“ mit einem Kursziel von 167 US-Dollar und verweisen auf einen möglichen Anstieg des Auftragsbestands auf bis zu 131 Milliarden US-Dollar. Macquarie stufte die Aktie zudem auf „Outperform“ hoch. Kritisch wird hingegen die starke Kundenkonzentration auf Schwergewichte wie Meta und Microsoft gesehen, zumal Berichte laut werden, wonach Meta eigene Cloud-Dienste erwägt, was die Abhängigkeit von CoreWeave verringern könnte.
Zusätzliche Marktunruhe entstand zuletzt durch die Liquidation des Hedgefonds Situational Awareness unter der Leitung von Leopold Aschenbrenner. Der Fonds, der stark in KI-Infrastruktur investiert war, musste nach massiven Verlusten Positionen an Citadel veräußern, wobei auch Bestände von CoreWeave betroffen waren. Zudem belastet eine Klassenklage wegen Bauverzögerungen bei Rechenzentren die Stimmung der Anleger.
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