Der KI-Infrastrukturanbieter CoreWeave steht im Zentrum einer kontroversen Debatte unter institutionellen Investoren. Während prominente Hedgefonds-Manager wie David Tepper neu in das Unternehmen einsteigen, ziehen sich andere Branchengrößen angesichts einer Bilanz zurück, die trotz rasanten Wachstums durch eine hohe Verschuldung geprägt ist.
Die aktuellen Quartalszahlen verdeutlichen die Zerreißprobe zwischen einem milliardenschweren Auftragsbestand und einer Belastung durch steigende Zinskosten.
Tauziehen der Star-Investoren um CoreWeave
Die jüngsten Einreichungen bei der US-Börsenaufsicht zeigen eine deutliche Bewegung im Aktionärskreis. David Tepper hat mit seinem Hedgefonds Appaloosa Management im zweiten Quartal 2026 eine neue Position in CoreWeave aufgebaut.
Der Anteil umfasst knapp 1,08 Millionen Aktien mit einem Marktwert von etwa 107,3 Millionen US-Dollar. Tepper, der gleichzeitig seine Bestände bei Unternehmen wie Nvidia und Amazon aufstockte, signalisiert damit Vertrauen in die spezialisierten Cloud-Anbieter für Künstliche Intelligenz.
Dem steht ein vollständiger Ausstieg von Viking Global gegenüber, die ihre Beteiligung im selben Zeitraum liquidierten. Auch innerhalb der Unternehmensführung gab es Veränderungen: CEO Michael Intrator übertrug am vergangenen Donnerstag rund 274.000 Aktien der Klasse B im Rahmen einer Umstrukturierung seiner Nachlassplanung. Diese Transaktionen fallen in eine Phase, in der das Unternehmen zwar operativ massiv skaliert, aber finanziell zunehmend unter Druck gerät.
Umsatzverdopplung steht hohem Nettoverlust gegenüber
Die operativen Kennzahlen für das zweite Quartal 2026 unterstreichen den Expansionsdrang. CoreWeave steigerte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 112 Prozent auf 2,58 Milliarden US-Dollar.
Der Auftragsbestand (Backlog) kletterte auf beeindruckende 104 Milliarden US-Dollar. Besonders kurzfristig ist hier eine hohe Dynamik zu erwarten, da Medienberichten zufolge rund 66 Prozent dieses Bestands bereits im dritten Quartal 2026 ausgeliefert werden sollen.
Doch das Wachstum fordert seinen Preis. Das Unternehmen meldete für das abgelaufene Quartal einen Nettoverlust nach GAAP in Höhe von 626 Millionen US-Dollar. Ein wesentlicher Treiber hierfür ist der enorme Zinsaufwand, der mit 640 Millionen US-Dollar mittlerweile den eigentlichen Quartalsverlust übersteigt.
Die Gesamtverschuldung ist von 21 Milliarden US-Dollar zum Jahresende 2025 auf aktuell 35 Milliarden US-Dollar angestiegen. Da die Investitionsprognose (Capex) für das Gesamtjahr 2026 auf 35 bis 39 Milliarden US-Dollar festgesetzt wurde, bleibt der Finanzierungsbedarf hoch.
Finanzielle Risiken und die Rolle der Hardware-Partner
Um den Ausbau der Rechenzentren voranzutreiben, setzt CoreWeave auf komplexe Finanzierungsmodelle. Nvidia unterstützt diese Entwicklung durch die Bereitstellung von Software und Finanzierungsplattformen in Zusammenarbeit mit großen Wall-Street-Häusern wie BlackRock und Goldman Sachs.
Analyst Clark Tang von Altimeter bezeichnet Nvidia in diesem Zusammenhang bereits als „synthetischen Hyperscaler“, der Infrastruktur mobilisiert, ohne selbst Rechenzentren zu besitzen.
Für Anleger bleibt das Risiko jedoch bestehen, dass die teure Hardware schneller veraltet, als die langfristigen Leasingverträge laufen. Die Analysten von Goldman Sachs schätzen, dass die globalen Investitionen in KI-Infrastruktur im laufenden Jahr rund 600 Milliarden US-Dollar erreichen könnten. CoreWeave trägt zu diesem Trend bei und erhöht die Kapazität bis Ende 2026 planmäßig auf über 1,85 Gigawatt.
Am Aktienmarkt spiegelte sich die jüngste Unsicherheit in einem Kursrückgang von 3,0 Prozent auf 88,79 € wider. Trotz der aktuellen Volatilität notiert das Papier mit einem Abstand von 12 Prozent weiterhin über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 79,08 €.
Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich derzeit auf umgerechnet 50,10 Milliarden Euro. Angesichts der für den 26. August erwarteten formalen Tests für neue Finanzierungskonstruktionen dürfte die Volatilität vorerst hoch bleiben.
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