CoreWeave baut sein Netz aus, doch die Schulden bremsen die Stimmung. Das KI-Cloud-Unternehmen nahm in Kopenhagen seinen ersten dänischen Standort größtenteils in Betrieb und kündigte ein globales Hochgeschwindigkeitsnetz an. Vorbörslich legte die Aktie am Dienstag moderat zu.

Kleiner Standort, große Netzpläne

Im Rechenzentrum DEN01 des Betreibers atNorth läuft der Großteil der geplanten 22,5 Megawatt IT-Kapazität. Die Anlage setzt auf Nvidia-Blackwell-Systeme und speist überschüssige Wärme ins lokale Fernwärmenetz ein. Europa zählt damit neun Rechenzentren in fünf Ländern.

Für die Zahlen bleibt der Standort allerdings ein kleiner Baustein. Weltweit betrieb CoreWeave zuletzt 51 Rechenzentren mit mehr als 1,5 Gigawatt aktiver Leistung, Kopenhagen macht davon höchstens 1,5 Prozent aus.

Strategisch wiegt das Netzwerk schwerer. Neue Knotenpunkte sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, Indonesien, Singapur, Australien, Korea und Japan geplant. Der Aufbau beginnt im vierten Quartal 2026, bis Mitte 2027 soll das Netz vollständig stehen und vier Kontinente umspannen. Jeder Knoten bündelt mehrere Verbindungen mit je 400 Gigabit pro Sekunde, dazu kommen Verschlüsselung und redundante Pfade.

Schulden bleiben das Kernthema

Der Ausbau steht unter Finanzierungsdruck. Der Umsatz im zweiten Quartal verdoppelte sich auf 2,58 Milliarden Dollar, der Nettozinsaufwand von 640 Millionen Dollar frisst jedoch knapp ein Viertel davon auf. Dem gegenüber steht ein Auftragsbestand von rund 104 Milliarden Dollar.

Die Gesamtverschuldung von rund 52 Milliarden Dollar hatte zuletzt für anhaltenden Verkaufsdruck gesorgt, Anleihen rentierten auf Rekordniveau. Nvidias Konzernchef beschwichtigte öffentlich: CoreWeave sei finanziell stärker, die Kapitalkosten sänken.

Goldman Sachs hob die Aktie am 20. Oktober von Neutral auf Buy und nennt ein Kursziel von 106 Dollar. Begründung: knappe Rechenkapazität und CoreWeaves Leistungsvorsprung. Das mittlere Kursziel der von TipRanks erfassten Analysten liegt bei 130,92 Dollar, mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs von rund 55 Dollar.

Technische Erholung

Nach dem Tief bei 51,24 Dollar stabilisiert sich der Kurs. Vom Hoch bei 141,79 Dollar bleibt die Aktie dennoch etwa 59 Prozent entfernt. Rückenwind kommt aus dem Umfeld: Anthropics Börsengangsantrag stützt die Erzählung von anhaltender Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Hält die Marke von 51 Dollar, bleibt die Erholung intakt. Fällt sie, rückt die Schuldenfrage wieder in den Vordergrund.